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Steuern: Was nun wichtig ist

10. Mai 2019 | Norden (Nr. 14)
Foto: © Berenberg

Mit dem Jahressteuergesetz 2018 ergeben sich gesetzliche Änderungen für steuerbefreite Stiftungen, selbst wenn sie einen gemeinnützigen Zweck verfolgen. Was hat sich seit Inkrafttreten der Gesetzesänderung getan und was sollten Sie als Stiftungsvorstand beachten?

Besteuerung von Fonds

Bislang fand die Besteuerung ausschließlich auf Anlegerebene statt und Investmentfonds selbst waren umfassend steuerbefreit. Dies führte zu einer vollständigen Befreiung von gemeinnützigen Anlegern. Mit dem verabschiedeten Gesetz wollte der Gesetzesgeber eine einheitlichere Besteuerung, welche lediglich bei inländischen Einkünften (hauptsächlich deutsche Dividenden) bei 15 Prozent liegt, für in- und ausländische Fonds erreichen. Dies führt zu einem Performanceverlust des Fonds und zu einem Liquiditätsnachteil für Stiftungen.

Es ist gemeinnützigen Organisationen möglich, die eventuell einbehaltene Kapitalertragsteuer auf Antrag bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft erstattet zu bekommen. Die Erstattung erfolgt jedoch nur, wenn alle Voraussetzungen des § 36a EStG erfüllt sind. Eines dieser Voraussetzungen umfasst, dass der Anleger ununterbrochener wirtschaftlicher Eigentümer für eine Mindesthaltedauer von 45 Tagen rund um den Ex-Tag ist.

Die Voraussetzungen müssen aktiv bei Antragstellung von der Organisation selbst überprüft und nachgewiesen werden. Dies bedeutet nicht nur zusätzliche Bürokratie für die gemeinnützigen Anleger, sondern auch fehlende Liquidität, da die Erstattung erst im Folgejahr stattfindet. Alternativ kann die Stiftung in eher selten vorhandenen, steuerbefreiten Investmentfonds oder Anteilsscheinklassen investieren. Bei diesen erfolgt keine Besteuerung auf Fonds ebene.

Dividendenerträge

Bis zum Ende letzten Jahres wurde gemeinnützigen Organisationen auf Dividendenerträge aus Direktinvestments in deutsche Aktien keine Kapitalertragsteuer einbehalten. Bei bestimmten Konstellationen sind Banken seit der Gesetzesänderung genau dazu verpflichtet. Zwei Ausnahmetatbestände sorgen weiterhin für Steuerbefreiung: (a) der Freibetrag von 20.000 Euro wird nicht überschritten oder (b) eine Mindesthaltedauer von einem Jahr ist vorhanden. Die Befreiung gilt damit weiterhin für kleinere Erträge oder bei langfristig gehaltenen Wertpapieren.

Handlungsempfehlung

Nach den Ergänzungen im Jahr 2018 ist es für Stiftungsvorstände weiterhin essenziell notwendig zu analysieren, inwieweit die Stiftung von der Reform betroff en ist, um die Besteuerung auf Fondsebene und auf Direktinvestments zu verhindern.

Als Stiftungsvorstand ist in einem ersten Schritt zu prüfen, ob einer der beiden Ausnahmetatbestände unter a) und b) vorliegt. Sollte dies nicht ausreichend der Fall sein, müssen die Voraussetzungen des § 36a Abs. 1-3 EStG für sämtliche Dividendenerträge geprüft werden. Dazu sollte eine Überarbeitung der Anlagerichtlinien gehören.

Aufgrund der dominierenden Risikostreuung dürfte sich bei einer überwiegenden Anzahl der Stiftungen trotz der Verschärfung der gesetzlichen Regelungen keine Steuerpflicht ergeben. Allerdings muss dies geprüft und entsprechend dokumentiert werden. Die Kooperation mit einer Depotbank, die die Verstöße bewusst versucht zu vermeiden, kann von Bedeutung sein. Auch kann ein zusätzlicher Hinweis bei erfolgtem Verstoß zusätzliche Sicherheit in die Arbeit der Stiftungsvorstände bringen.

Die Zeiten für die Anlage von Stiftungsgeldern sind herausfordernd und für Stiftungsvorstände von zunehmender Komplexität gekennzeichnet. Bei Berenberg werden in unseren vermögensverwaltenden Stiftungsstrategien und eigens für Stiftungen angelegte Investmentfonds neben Nachhaltigkeit und ESG-Kriterien auch stiftungsrelevante steuerliche Aspekte berücksichtigt.

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