Fachbeitrag

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Zusammen sind wir stärker

12. Dezember 2018 | Nordrhein-Westfalen (Nr. 11)

Der Rücktritt des Fußballers Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft und die daraufhin entstandene #MeTwo-Bewegung haben eine intensive Diskussion über den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Frage nach Zugehörigkeit und Ausgrenzung in Deutschland ausgelöst und die politische Debatte erweitert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits in ihrer Regierungserklärung im März 2018 die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts zur zentralen Aufgabe der Großen Koalition erklärt. Woran lässt sich aber ein starker Zusammenhalt erkennen? Dieser zeigt sich laut OECD daran, dass eine Gesellschaft das Wohlergehen aller ihrer Mitglieder anstrebt, ihnen Zugehörigkeit ermöglicht und aktiv Ausgrenzung und Marginalisierung bekämpft. Zusammenhalt ist demnach mehr als das Gefühl, in die Gesellschaft aufgenommen zu sein – er beweist sich im alltäglichen Umgang miteinander wie auch in politischen Entscheidungen und ihrer gesellschaftlichen Umsetzung. Eine kohäsive Gesellschaft ist daher idealtypisch auch immer eine Gesellschaft, in der Menschen nicht nur irgendwie nebeneinander koexistieren, sich gegenseitig aushalten und miteinander klarkommen, sondern an ihrem gleichberechtigten Zusammenleben arbeiten und füreinander eintreten.

Von diesem Ideal scheint Deutschland noch entfernt. Die Debatten werden rauer, die Grenzen des Sagbaren sinken. Die Gewalt gegenüber zugewanderten Menschen ist allgegenwärtig, und aktuell sehen wir eine starke Zunahme antisemitischer Hetze. Neue rechte Bewegungen und völkisches Denken sind dabei ganz offenkundig ein Problem der Mitte. Auffällig ist auch, dass sich nicht alle Menschen in dieser Gesellschaft gleich zugehörig fühlen. Viele werden aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder anderer zugeschriebener Merkmale diskriminiert; viele sind auch zunehmend sozial abgehängt. Außerdem scheint sich eine gewisse Demokratiemüdigkeit in Teilen der Bevölkerung breit zu machen. Die Wechselwirkungen zwischen diesen Entwicklungen sind vielfach belegt. 

Den Zusammenhalt zu stärken ist zweifellos eine wichtige Aufgabe der Politik. Zusammenhalt beginnt aber in den Köpfen und lässt sich nicht per Gesetz regeln. Das ist ein langwieriger Prozess. Die Zivilgesellschaft und die Stiftungen sind dafür wichtige Akteure. Ob Engagement im Sport, in der Bildung, für junge und ältere Menschen, in Städten oder im ländlichen Raum – eine lebendige Zivilgesellschaft stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

Gerade jetzt braucht es insbesondere aber auch eine Stärkung jener, die sich explizit für Demokratieförderung, Vielfaltsbildung und Diskriminierungsprävention einsetzen. Wir würden uns daher insbesondere von Stiftungen wünschen, dass sie ihren Förderfokus weiten. Die Stärkung von einzelnen Menschen in ihrer persönlichen und demokratischen Teilhabe, etwa über Bildungsprojekte, sollte ergänzt werden, um die Unterstützung von Projekten, die im gesellschaftlichen Umfeld einen vorurteilsbewussten, diskriminierungsarmen sowie solidarischen Umgang miteinander fördern. 

PHINEO möchte Stiftungen dabei helfen. Unter anderem wollen wir Projekte, die in den genannten Bereichen aktiv sind, identifizieren und empfehlen. Bereits im Oktober werden dazu Projekte für geflüchtete Frauen in Deutschland vorgestellt. Stiftungen erfahren darüber hinaus, was die Bedarfe der Organisationen sind und worauf sie achten sollten, wenn sie wirkungsvoll fördern möchten. Ganz aktuell untersuchen wir Organisationen, die junge Menschen gegen Diskriminierung und für politische Teilhabe stark machen. Und Anfang 2019 werden wir uns auf die Suche nach Projekten machen, die eine offene, diskriminierungsarme Organisationskultur fördern. Erste Ergebnisse werden Ende nächsten Jahres vorgestellt. 

PHINEO wird bei dieser Arbeit maßgeblich von dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Fondation CHANEL sowie der DFL Stiftung unterstützt. Wenn auch Sie sich beteiligen und Organisationen – etwa mit Capacity-Building-Maßnahmen –  unterstützen möchten, sprechen Sie uns an!

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