Aktuelle Herausforderungen und Lösungen
Klaus-Dieter Erdmann

Fünf Jahre Niedrigzinsumfeld dürften Stiftungen die Augen geöffnet haben: Allein mit Anleihen ist die Kapitalanlage nur noch schwerlich zu gestalten. Doch woher Orientierung nehmen? Auf dem „Stiftungsforum Rhein-Main & Nordhessen ’17“ veranstaltet die funds excellence deswegen die Podiumsdiskussion „Kapitalanlage für Stiftungen“. Vier Vermögensverwalter diskutieren.


Workshop-Zusammenfassung (bitte Bild anklicken)


Etwa 70 Stiftungen strömten am 26. April zu unserem Workshop „Kapitalanlage für Stiftungen: aktuelle Herausforderungen und Lösungen“ beim 2. STIFTUNGSFORUM Rhein-Main & Nordhessen ‘17 in Wiesbaden. Bevor Klaus-Dieter Erdmann, Gründer und Geschäftsführer der funds excellence, die Diskussionsrunde mit Rainer Unterstaller, Nachhaltigkeitsberater bei ACATIS, Bernhard Matthes, Portfoliomanager bei der Bank für Kirche und Caritas, Detlef Lau, Executive Director für institutionelle Kunden bei der Bank J. Safra Sarasin (Deutschland) AG und Alexander George, verantwortlich für das Stiftungsmanagement bei Hauck & Aufhäuser sowie Geschäftsführender Vorstand der Hauck & Aufhäuser Kulturstiftung, eröffnete, stellte er einleitend eine Frage ans Publikum: „Verantworten Sie die Kapitalanlage Ihrer Stiftung selbst oder haben Sie diese delegiert?“ Die meisten anwesenden Stiftungen – kaum überraschend – kümmern sich noch komplett eigenständig um Finanzthemen.

Fragt sich nur, wie lange noch – denn die Situation ist brenzlig, das wissen auch die meisten Stiftungen. Nur noch die Hälfte von ihnen mit einem Grundkapital bis zehn Mio. Euro geht davon aus, dass die erwirtschafteten Erträge in Zukunft zumindest noch zum Inflationsausgleich reichen, zitierte Detlef Lau eine aktuelle Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Keine Frage, Stiftungen müssen bei der Kapitalanlage mehr ins Risiko oder zumindest diversifizieren – doch sind sie dazu bereit? Ja, sie würden es sogar noch mehr tun, meldete sich ein Teilnehmer aus dem Publikum. Aber schließlich seien gemeinnützige Stiftungen von Gesetzes Wegen zu Kapitalerhalt verpflichtet, und gerade ehrenamtliche Vorstände scheuten Ärger mit dem Finanzamt. Verständlich, meinte Alexander George, ermutigte aber gleichzeitig, den aktiven Dialog mit der Stiftungsaufsicht zu suchen. Er kenne den Fall einer Stiftung, die große Teile ihres Kapitals in hundertprozentigen Aktienfonds investiert – in enger Abstimmung mit den Behörden. „Wichtig ist nur, dass sie jede Ihrer Entscheidungen sorgfältig dokumentieren und nachweisen, dass sie sich ständig bestmöglich informiert und abgesichert haben“, so George weiter.

Und wie halten es die Fondsmanager aktuell selbst mit dem Risiko? Eine gute Frage, wo doch momentan nicht mal mehr Anleihen risikolos seien, schmunzelte Bernhard Matthes. Trotzdem sieht er die Anlageklasse noch nicht am Ende. „Im aktuellen Umfeld ist Bond Picking wichtig, um laufenden Ertrag und Ausschüttung eines Rentenportfolios stiftungsgerecht zu halten.“ Konkret hält er in seinem Fonds etwa Staatsanleihen aus Uruguay. Beim Sarasin-FairInvest beträgt die Aktienquote momentan etwa 25 Prozent. „Die Märkte werden wieder runtergehen“, zeigte sich Detlef Lau überzeugt. Von einem deutlichen Zinsanstieg in den nächsten Jahren geht man im Hause Sarasin allerdings nicht aus. Auch der Sarasin-FairInvest hält aktuell viele Unternehmensanleihen.

Kann man das Risiko denn begrenzen? Ja, befand Rainer Unterstaller und erklärte die Strategie des ACATIS Fair Value Modulor Vermögensverwaltungsfonds. In ihm handelt das Management nicht starr nach Aktien und Renten, sondern investiert in bis zu 36 verschiedene Anlageklassen. Die Titel werden dann nach Volatilität gewichtet, diese soll sechs Prozent pro Jahr nicht überschreiten – was zuletzt auch immer gelungen ist. In einem waren sich Unterstaller und Matthes aber einig: „Man sollte Risiko nicht mit kurzfristiger Volatilität gleichsetzen – denn was nützt es, vor lauter Risikobegrenzung keine Erträge mehr zu erwirtschaften? Kurzfristige Schwankungen gehören dazu, und man muss sie aushalten.“ Was Matthes mit Bezug auf Anleihen feststellte, gilt für Unterstaller bei den Aktien: „Es muss ein Umdenken stattfinden, die Aktie ist nicht immer gleich Risiko“, betonte er. Vor allem wenn man bedenke, dass heute auch zehnjährige Anleihen Kursrisiken bei Zinsanstiegen bergen. Es gebe viele gute, gesunde Unternehmen mit ordentlichen Bilanzen, deren Dividende jedes Jahr angehoben werde. Das könnten Stiftungen für sich ausnutzen.


www.fundsexcellence.com