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Impulse für die europäische Demokratie und Konzepte für digitale Zukunft

Freitag, 08. März 2019

Die Demokratie in Europa befindet sich im Stresstest. Die Bertelsmann Stiftung entwickelt daher in diesem Jahr Angebote und Initiativen für einen konstruktiven europäischen Diskurs. Internationale Dialogforen wie der Salzburger Trilog werden ausgebaut. Im Fokus stehen zudem Konzepte zur Gestaltung der digitalen Zukunft. In Berlin ist die Stiftung bald präsenter denn je. Das gab der Vorstand bei seinem Ausblick auf das Jahr 2019 bekannt.

Gütersloh. Die Bertelsmann Stiftung hat im vergangenen Jahr rund 70 Projekte aus den Themenfeldern Bildung, Demokratie, Europa, Gesundheit, Werte und Wirtschaft bearbeitet. Für ihre gemeinnützigen Tätigkeiten wendete sie 86 Millionen Euro auf. Sie beschäftigt derzeit 384 Mitarbeiter. In den 41 Jahren ihres Bestehens hat die Bertelsmann Stiftung insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Euro für gemeinnützige Arbeit zur Verfügung gestellt.

Bei der inhaltlichen Arbeit besaß 2018 vor allem die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts besondere Bedeutung. Im Juni wurde der Reinhard Mohn Preis an den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck verliehen, zum Thema „Vielfalt leben – Gesellschaft gestalten“. Die Stiftung ehrte Gauck als „herausragende Persönlichkeit, die sich eindeutig zu gesellschaftlicher Vielfalt positioniert und eine klare Haltung beweist“.

Neues Arbeits- und Konferenzgebäude in Berlin

Um den Dialog und die Kooperation mit ihren Partnern zu intensivieren, wird die Bertelsmann Stiftung in diesem Jahr ihre Präsenz in Berlin verstetigen. Im Spätherbst dieses Jahres bezieht sie am Werderschen Markt ein Arbeitsgebäude. Es bietet Veranstaltungs- und Konferenzräume sowie 25 Verfügungsarbeitsplätze, die Mitarbeiter aus dem Hauptstandort Gütersloh bei ihren Aufenthalten in der Bundeshauptstadt nutzen können. Die schon bisher in Berlin ansässige Tochtergesellschaft Weisse Liste gGmbH wird ebenfalls umziehen. Sie betreibt das Onlineportal www.weisse-liste.de, das Patienten Orientierung über Gesundheitsangebote bietet.

Im September veranstaltet die Bertelsmann Stiftung in Berlin die internationale Konferenz „Trying Times – Rethinking Social Cohesion“. Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft diskutieren über Zukunftsperspektiven für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer Welt, die sich durch Globalisierung, Digitalisierung und demographischen Wandel einem hohen Veränderungsdruck ausgesetzt sieht.

Mehr Engagement für Europa

Regelmäßige Erhebungen wie die Social Governance Indicators (SGI), das Populismus-Barometer oder der Bertelsmann Transformation Index (BTI) haben bereits 2018 einen klaren Trend erkennbar werden lassen: Die Demokratiequalität nimmt ab, Autokraten sind auf dem Vormarsch, Verunsicherung und gesellschaftliche Polarisierung steigen auf allen Kontinenten.

„In Europa befindet sich die Demokratie derzeit im Stresstest“, sagt Vorstandsvorsitzender Aart De Geus. Die Bertelsmann Stiftung werde daher 2019 ihre Bemühungen intensivieren, die Menschen in einen konstruktiven Diskurs über Europa zu bringen. Ihr Europa-Programm entwickelt neue Studien, Dialogangebote und Umfragen, unter anderem mit dem Umfrage-Instrument „eupinions“, um Strategien und Perspektiven für die Europäische Union aufzuzeigen und neue Beteiligungsinstrumente zu erproben. De Geus betont, die Stiftung setze sich ein für eine Verbesserung der Handlungsfähigkeit und Akzeptanz der EU sowie für Partizipationsangebote über Wahlen hinaus.

Mit ihren evidenzbasierten Studien und den Dialogformaten möchte die Bertelsmann Stiftung Bürgern ermöglichen, sich umfassend und faktengestützt zu informieren, wie sehr sie vom europäischen Binnenmarkt profitieren. Durchschnittlich 1.000 Euro des jährlichen Pro-Kopf-Einkommens in Ostwestfalen-Lippe ist einer bislang unveröffentlichten Berechnung der Stiftung zufolge auf den gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraum zurückzuführen. „Das einige, starke Europa ist ein Garant für Frieden, Freiheit und Wohlstand. Deshalb hoffe ich, dass die Europawahl die pro-europäischen Kräfte stärken wird“, sagt De Geus.

Dialogforen für die drängendsten Fragen unserer Zeit

Die in diesem Jahr erstmalig in Berlin stattfindende Konferenz zum gesellschaftlichen Zusammenhalt ergänzt eine Reihe internationaler Dialogformate, mit denen die Bertelsmann Stiftung Brücken der Verständigung baut. Nach dem Vorbild des Salzburger Trilogs – einem Format mit 30 internationalen Experten aus Politik, Wirtschaft und Kultur – beschäftigt sich eine Konferenz am 8. März mit dem Thema „Europa und Asien in einer zerrissenen Welt“. Die Tagung wird in Hongkong stattfinden. Eine Fortsetzung ist für Herbst in Singapur geplant.

Gemeinsam mit dem Bundespräsidialamt führt die Bertelsmann Stiftung das Forum Bellevue fort. In der Diskussionsreihe spricht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Gästen über die Zukunft der Demokratie. Das Deutsch-Spanische Forum wird ebenfalls fortgesetzt. Das 2002 gegründete Format beschäftigt sich jährlich mit der Zukunft Europas. „Unser Ziel ist es, die Beziehungen zwischen den Völkern und Kulturen vertrauensvoll zu gestalten. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass sich Menschen begegnen und kennenlernen können. Die Bertelsmann Stiftung richtet dazu hochrangige, internationale Formate aus. Wir möchten Lösungen entwickeln, damit wir konkrete Impulse für die Herausforderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft geben können“, so Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung.

Schnellere Digitalisierung im Gesundheitswesen und auf dem Land

Den Weg in die digitale Zukunft beschreitet Deutschland zuweilen im Schneckentempo. Laut der Studie #SmartHealthSystems belegt Deutschland bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens Platz 16 unter 17 Ländern. „Hierzulande müssen chronisch Kranke ihre Befunde noch selbst von Arzt zu Arzt tragen, in anderen Ländern findet dieser Informationsaustausch bereits über elektronische Patientenakten statt“, sagt Vorstand Brigitte Mohn. Die Bertelsmann Stiftung werde sich deshalb auch in diesem Jahr verstärkt dafür einsetzen, Politik, Wirtschaft und alle Akteure des Gesundheitswesens auf das gemeinsame Ziel zu verpflichten, den digitalen Fortschritt für alle Patienten nutzbar zu machen.

Strukturschwachen und überalterten Regionen kann die Digitalisierung neue Perspektiven eröffnen. „Die Qualität der digitalen Infrastruktur ist längst ein entscheidender Standortfaktor, ob Kommunen wachsen oder schrumpfen“, sagt Brigitte Mohn. Schnelles Internet auch auf dem Land sei eine Schlüsselvoraussetzung für gute Lebens- und Arbeitsbedingungen. Es gehöre heutzutage zur kommunalen Daseinsvorsorge ebenso wie fließendes Wasser oder Strom. Aufgabe der Politik sei, Teilhabechancen zu stärken, etwa indem älteren Menschen digitale Kompetenzen vermittelt werden. Die Bertelsmann Stiftung wird hierzu mit dem Projekt Smart Country und dem Datenportal Wegweiser Kommune weitere Vorschläge erarbeiten.

Ethik der Algorithmen braucht gesellschaftliche Debatte

Ein noch junger Schwerpunkt in der Arbeit der Bertelsmann Stiftung ist die Entwicklung einer Ethik der Algorithmen. Dieser wird in diesem Jahr ausgebaut. Denn intelligente Maschinen sind mittlerweile Teil unseres Lebens. Sie helfen Ärzten bei Krebsdiagnosen und schicken Polizisten auf Verbrecherjagd. Sie suchen für Personalabteilungen geeignete Bewerber aus und schlagen Richtern vor, welche Strafen sie verhängen sollen. „Algorithmen und Künstliche Intelligenz sind keine Science-Fiction, sondern Realität. Sie bestimmen mehr und mehr unseren Alltag. Deshalb müssen wir das Verhältnis von Mensch und Maschine neu bewerten und neu justieren“, sagt Vorstand Jörg Dräger.

Die Bertelsmann Stiftung widmet sich der Frage, wie algorithmische Systeme Teilhabechancen beeinflussen und welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft haben. Eines der Ziele ist, die Öffentlichkeit für die Tragweite dieser technologischen Revolution zu sensibilisieren. Umfragen der Bertelsmann Stiftung hatten ergeben, dass kaum jemand weiß, was Algorithmen sind und was sie tun. Eine breite gesellschaftliche Debatte über Ziele, Einsatz und Grenzen für Algorithmen sei ebenso notwendig wie strengere Transparenzgebote, so Dräger: „Wir fordern ein Vermummungsverbot für Algorithmen. Jeder muss nachvollziehen können, wann er es mit einem Mensch und wann mit einer Maschine zu tun hat. Jeder muss nachvollziehen können, nach welchen Zielen Algorithmen ausgerichtet sind und mit welchen Daten sie gefüttert werden.“

Ansprechpartner: 
Dr. Andreas Knaut
Senior Vice President Corporate Communications
Tel.: +49 52 41 81 81 479
Andreas.Knaut@bertelsmann-stiftung.de

(Quelle: Bertelsmann Stiftung)

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