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Realschule Waibstadt als bundesweit erste Schule für Mobbing-Präventionsprogramm ausgezeichnet

Donnerstag, 21. Juni 2018
Quelle: Baden-Württemberg Stiftung gGmbH

Die Realschule Waibstadt wurde als bundesweit erste Schule für ihre Teilnahme am Olweus Mobbing-Präventionsprogramm ausgezeichnet. Sie erhält diese Zertifizierung, da sie das umfangreiche 18-monatige Programm mit der Olweus-Methode umgesetzt und in der Schule implementiert hat. Die Realschule Waibstadt darf sich nun „Olweus-Schule“ nennen.

Stuttgart/Waibstadt, 20. Juni 2018 – Schubsen, demütigen, ausgrenzen: Mobbing ist an Schulen ein weit verbreitetes Problem. Das Olweus Mobbing-Präventionsprogramm gilt als das einzige wissenschaftlich geprüfte Programm, das nachweisbare Effekte erzielt und von unabhängigen Experten empfohlen wird. Nach einer zweijährigen Ausbildung hat die Realschule Waibstadt als erste Schule bundesweit das Olweus-Programm inklusive Zertifizierung absolviert und darf sich nun „Olweus-Schule“ nennen. Aktuell organisieren die Wissenschaftler der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg das Präventionsprogramm für 19 Schulen in Baden-Württemberg und begleiten diese wissenschaftlich.

Realschule Waibstadt ist erste Olweus-Schule

Die Realschule Waibstadt hat das 18-monatige Olweus-Training erfolgreich durchlaufen und das Konzept auch nachhaltig im Schulalltag implementiert – dies musste sie nach weiteren sechs Monaten nachweisen. Dafür erhielt sie nun die Zertifizierung, die alle zwei Jahre erneuert werden muss. „Mobbing ist kein neues Thema, hat aber durch die Anonymität des Internets und die enorme Verbreitung sozialer Medien eine neue Dimension bekommen. Starke Schulgemeinschaften wie an der Realschule Waibstadt machen vor, wie man aktiv gegen Mobbing vorgeht und eine Kultur des Hinschauens auf allen sozialen Ebenen etabliert. Dieses Engagement ist vorbildhaft und verdient großen Respekt“, sagt Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann. Auch das Land unterstütze Schulen bei ihrer Präventionsarbeit, etwa mit Schulpsychologen, Beratungslehrkräften und Präventionsbeauftragten.

Das Olweus Programm verläuft auf Schul-, Klassen- und Personenebene und wird von Olweus-Coaches begleitet, die direkt durch das norwegische Team von Olweus International in Heidelberg ausgebildet werden. Ziel ist es, dass die Schulen das Programm nach Abschluss des Trainings selbstständig und langfristig weiterführen können. Finanziert wird das Programm von der Baden-Württemberg Stiftung mit rund 610.000 Euro, die das Thema Mobbing als Teil ihres Aktionsprogramms „Psychische Gesundheit von Jugendlichen“ unterstützt. „Für die psychische Gesundheit ist es fundamental wichtig, in einem funktionierenden Umfeld aufzuwachsen. Das wirkt sich nicht nur unmittelbar positiv auf Leistung und Gemütszustand der Jugendlichen aus, sondern sorgt auch im Erwachsenenalter für mehr persönlichen Erfolg“, erklärt Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung. Dr. Albrecht Schütte (CDU), Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Sinsheim, ergänzt: „Dass die Realschule Waibstadt die erste zertifizierte Olweus-Schule ist, macht mich stolz und zeigt, wie wichtig eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrern und Schülern vor Ort ist“.

„Jedes dritte Mobbing-Opfer leidet unter Folgeerkrankungen“

Jeder vierte Schüler an deutschen Schulen ist oder war bereits Opfer von Mobbing. Ob verbale oder physische Attacken, online oder direkt im Klassenzimmer: Mobbing hat viele Gesichter. Das von dem schwedisch-norwegischen Professor für Entwicklungspsychologie Dan Olweus entwickelte „Olweus Bullying Prevention Program“ gilt in Norwegen und Amerika als bewährtes Konzept im Kampf gegen Gewalt und Ausgrenzung. Die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg haben das Programm nach Deutschland geholt und die Baden-Württemberg Stiftung als Partner gewonnen. „Jedes dritte Mobbing-Opfer leidet als Folge der Attacken an psychischen Folgeerkrankungen wie beispielsweise Depressionen, Ängsten oder gestörtem Essverhalten“, fasst Prof. Franz Resch, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg zusammen. „Das Olweus-Programm bietet eine wissenschaftlich nachgewiesene Chance, Mobbing durch Prävention zu vermeiden und Kinder und Jugendliche vor behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen zu schützen.“

Gegen Mobbing aktiv etwas tun

Klaus Sauer, Schulleiter der nun zertifizierten Realschule Waibstadt, weiß aus der Schulpraxis, wie wichtig ein frühzeitiges Eingreifen ist: „Viele Eltern unternehmen nicht sofort etwas, wenn ihr Kind gemobbt wird. Sie haben Angst, dass sich durch ihr Eingreifen die Situation für das Kinder verschlimmert. Wir gehen dieses Problem aktiv an, denn gegen Mobbing kann man tatsächlich etwas tun.“ Das Olweus Mobbing-Präventionsprogramm wird schrittweise eingeführt. Basis – und damit für die Forschenden des Universitätsklinikums Heidelberg auch wissenschaftlich interessant – ist eine jährliche Schülerbefragung zum Thema Mobbing. Damit kann die Effektivität des Programms im Sinne eines Vorher-Nachher-Vergleichs geprüft werden. „Die bislang erhobenen Daten von 6.000 Schülern zeigen eine deutliche Reduktion von Mobbing durch das Programm sowohl auf Opfer- als auch auf Täterseite nach zwölf Monaten. Erwartungsgemäß wird sich dieser Effekt im Folgejahr noch weiter steigern“, fasst Prof. Dr. Franz Resch zusammen. Zudem werden im Rahmen der Forschungsarbeiten Daten über das psychische Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen erhoben, um festzustellen, ob durch eine Reduktion von Mobbing tatsächlich auch die Ausbildung von psychischen Folgestörungen verhindert werden kann.

Weitere Informationen:

Das Olweus Mobbing-Präventionsprogramm

Der norwegische Psychologe Dan Olweus gilt als Gründervater der Mobbing-Forschung. Das Programm nach Olweus ist weltweit die effektivste Methode gegen Mobbing, wie eine Analyse von insgesamt 25 Anti-Mobbing-Programmen[1] bewiesen hat. Bereits 2008 sprach sich die EU-Kommission für die flächendeckende Einführung des Olweus Bullying Prevention Program aus. Der Sonderausschuss „Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen“ forderte 2010 eine Einführung des Olweus-Programms in Baden-Württemberg. Das gesamte Lehrerkollegium, Schulsozialarbeiter, alle Schüler und selbst deren Eltern werden stufenweise ins Programm einbezogen und zu Mobbing-Experten ausgebildet. Die Baden-Württemberg Stiftung hat für das bundesweit einmalige Modellprojekt 610.000 Euro zur Verfügung gestellt: Es ist Teil des Aktionsprogramms „Psychische Gesundheit von Jugendlichen“. Seit 2015 haben 19 Schulen die Implementierung begonnen, zwei weitere Schulen befinden sich momentan in der Zertifizierung. Im Schuljahr 2018/19 beginnen weitere Schulen mit dem Programm. Das Programm wird von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg durchgeführt und von der Baden-Württemberg Stiftung begleitet und finanziert.

(Quelle: Baden-Württemberg Stiftung gGmbH)

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