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Über Nacht vom Lehrer zum Einzelhändler

Montag, 20. Mai 2019
Christian Bier, Geschäftsführer von Intersport Eisert in Erlangen, Foto: © Rid Stiftung

Erfolgsgeschichten aus dem bayerischen Einzelhandel

Die Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel stellt die zweite von vielen bayerischen Erfolgsgeschichten vor. Wir führen unsere Serie „Erfolgsgeschichten aus dem bayerischen Einzelhandel“ fort, mit einem Unternehmer der einen außergewöhnlichen Start und Werdegang hat.
Wir sind im Gespräch mit Christian Bier, dem Geschäftsführer von Intersport Eisert in Erlangen.

Intersport Eisert

Das Traditionsunternehmen Sport Eisert wurde 1919 in Erlangen von der Familie Eisert gegründet und ist noch heute in der vierten Generation in Familienbesitz. Im Großraum Erlangen findet man Intersport Eisert an fünf Standorten stationär sowie online mit eigenem Webshop.

Christian Bier leitet seit 2012 Intersport Eisert, ein Unternehmen mit rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Für den Berufswechsel vom Lehramt zum Sporthandel nahm er an dem berufsbegleitenden Qualifizierungsprogramm „Unternehmensführung im Handel" der Rid Stiftung teil.

Der Einzelhandel ist in Deutschland der drittgrößte Wirtschaftszweig und ist seit einigen Jahren massiven Veränderungen ausgesetzt. Wachstum findet vor allem online statt. Zudem hat das Internet die Spielregeln massiv verändert. Alles in allem mehr als genugHerausforderungen für ein Traditionsgeschäft. Aber in Ihrem Fall, Herr Bier, kam eine weitere, sehr außergewöhnliche Herausforderung dazu. Was war das?

Christian Bier: Mein Schwager, der Geschäftsinhaber von Intersport Eisert, ist vor gut sieben Jahrenvon heute auf morgen verstorben. Alle waren wie vor den Kopf gestoßen. Wir wussten alle nicht,wie es weiter gehen kann. Zu dem Zeitpunkt war ich Gymnasiallehrer und auf dem Sprung an die Uni für eine Promotionsstelle. Ich war mir aber eigenartigerweise relativ schnell sicher, dass ich als Lehrer ausscheiden und bei Sport Eisert anfangen werde, um die Verantwortung zu übernehmen.Da ich als Lehrer wenigeKenntnisse in BWL hatte, habe ich von unserem Partner Intersport den Coach Gunter Ehe zur Seite gestellt bekommen. Er hat mich damalszeitnahauf die Rid Stiftung aufmerksam gemacht.

Wie ist dann Ihr Start gelungen?

Christian Bier: Der Anmeldeschlussbei der Rid Stiftungwar zwar schon vorbei, aber aufgrund meiner außergewöhnlichen Situation und der Umstände habe ich doch noch einen Platz in dem zweijährigen, berufsbegleitenden Qualifizierungsprogramm „Unternehmensführung im Handel“ bekommen. Von den ersten sechs Wochen meinerneuen „Dienstzeit als Einzelhändler“ habe ich fünf bei der Rid Stiftung verbracht, die mich ohne bürokratische Hemmnisse aufgenommen hat. Ich habe mich von Anfang an unterstützt und gut aufgenommengefühlt, und damit auch sehr wohl mit meiner Entscheidung, diese Lebensherausforderung anzunehmen. In dieser Anfangszeit hat mein Schwiegervater bei Sport Eisert die Stellung gehalten.

Aus heutiger Sicht – Was haben Sie mitgenommen?

Christian Bier: Das Förderprogramm hat mich in der völlig neuen beruflichen Situation zunächst einmal stabilisiert und mir sehr schnell komprimiert das erforderliche Know-how vermittelt. Da ist schnell Sicherheit bei mir entstanden, die mir eine große Hilfe war. Zudem hat mirder Austausch mit Kollegen, anderen Einzelhändlern,extrem geholfen. Dadurch, dass man nicht nur Know-how vermittelt bekommen hat, sondern als Person über den ganzen Zeitraum auch gecoacht wurde – sprich dabei unterstützt wurde, die eigene Rolle als Unternehmer zu finden – hat das Programm für mich die entscheidende Unterstützung gebracht.

Sie haben danach auch an weiteren Förderangeboten der Rid Stiftung teilgenommen. Wie haben sich die vermittelten Inhalte insgesamt auf Ihre Tätigkeit im Unternehmen ausgewirkt?

Christian Bier: Bei der Rid Stiftung erhält man zusätzlich zu den Inhalten einen Metablick auf seine eigene Arbeit. Die Art, wie ich mich als Geschäftsführer sehe, hat sich dadurch verändert. Ich sehe mich nicht als Chef, sondern als Trainer. Ich bin derjenige, der den anderen den Rücken freihält. Den kooperativen Führungsstil habe ich bei der Rid Stiftung ausführlichkennengelernt – dies war ein Meilenstein für mich, auch in meiner persönlichen Entwicklung.
Das Thema Personalgespräche war für mich ebenfalls völlig neu. Die Dozentin Frau Prof. Schinnenburg hat mir sehr geholfen, kritische Gespräche gezielt zu trainieren. Davon profitiere ich noch heute.
Der betriebswirtschaftliche Teil von Herrn Prof. Gutknecht z.B. hat mir geholfen, schnell die wirtschaftlichen Kennzahlen unseres Unternehmens zu verstehen und einzuordnen. Diese ganz konkreten Hilfestellungen durch verschiedene Tools in den Modulenwaren sehr gut für mich,insbesondere, wenn man meinen schnellen Jobwechsel vom Lehrer zum Einzelhändler betrachtet.

Wo sehen Sie persönlich die aktuellen Herausforderungen, Risiken und vor allem Chancen im Einzelhandel?

Christian Bier: Die große Herausforderung ist es, die Attraktivität des stationären Einzelhandels aus der Sicht der eigenen Kunden zu erkennen und das Zusammenspiel von Online und Offline klug zu organisieren. Wir sehen das an unserem eigenen Online-Shop, der – übrigens auch durch die Förderung der Rid Stiftung – durch die Decke geht. Online geht es vorwärts und im Geschäft nimmt die Frequenz sukzessive ab. Wir müssen den stationären Handel für die Zukunft sicher machen, ohne dabei den Kunden zu verlieren. Um Omni-Channel optimal umzusetzen, muss man vor allem die Kosten im Blick behalten. Da sind wir gerade mit unterschiedlichen Tools dran und gehen damit bis zu einem gewissen Grad auch ins Ungewisse. Ich bin aber sehr positiveingestellt, da wir den Multi-Channel-Gedanken noch früh genug aufgegriffen haben.

Thema Zukunft und Ausbildung – Haben Sie Probleme, gute Auszubildende zu finden?

Christian Bier: Wir haben einen großen Vorteil gegenüber anderen Einzelhandelsbereichen: Die Sportbranche gilt als "sexy". Wir tun aber auch viel dafür, um als Arbeitgeber insgesamt wirklich attraktiv zu sein. Zum Beispiel haben wir einige Kooperationen mit unseren Fachoberschulen hier in unserer Region. Und wir gehen häufig auf Messen und präsentieren uns dort als moderner Arbeitgeber.

Wenn Sie in die Zukunft blicken – Was sind da für Sie relevante Themen?

Christian Bier: In unserem Bereich sehe ich ein großes Potential in den 3D-Druckern. Denken Sie nur an das Thema Individualität, Maßkonfektionenund so weiter. Auch die Verkaufsflächen werden zukünftig kleiner und flexibler in der Nutzung werden müssen. Der Verkäufer 2.0 muss dafür in Zukunft andere Kompetenzen haben. Insgesamt wird auch die Bedeutung des Fachverkäufers weiter zunehmen, da bin ich mir ganz sicher. Er wird immer mehr zum Berater und Partner mit einem sehr hohen Maß an Glaubwürdigkeit gegenüber den Kunden.

Wie nehmen Sie aktuell die Rid Stiftung wahr?

Christian Bier: Wenn ich an die Rid Stiftung denke, bin ich zuerst einmal sehr dankbar. Sie hat mich durch die Seminare und Coachings sehr schnell auf den Weg gebracht und mir so viel Know-how mitgegeben. Das hätte ich woanders schwerlich schaffen können. Ich sehe die Rid Stiftung als sehr fortschrittlich denkend, die Zeichen der Zeit erkennend und innovative neue Wege gehend. Ich bin sehr begeistert und versuche das auch immer weiterzugeben.

Wo sehen Sie Potentiale bei der Rid Stiftung?

Christian Bier: Ein Problem hat die Rid Stiftung: Viele denken, was nichts kostet, taugt nichts. Dem ist aber absolut nicht so. Damit hat die Stiftung bis zu einem gewissen Grad zu kämpfen, wenn jemand noch nichts von der Rid Stiftung gehört hat. Dem kann man sicherlich mit einem steigenden Bekanntheitsgrad und der entsprechenden Kommunikation entgegentreten.

Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel

Die Rid Stiftung fördert seit über 30 Jahren Händlerinnen und Händler mit kostenfreien Aus- und Weiterbildungsprogrammen und mittelständische Unternehmen mit intensiven Coaching-Programmen. Sie wurde 1988 von Dr. Günther Rid gegründet, der nicht nur BETTENRID zu einem über Bayerns Grenzen hinaus bekannten Fachgeschäft gemacht hat, sondern dessen Vision es war, die Existenz des mittelständischen Einzelhandels zu sichern und damit auch die Vielfalt der Stadtkultur zu erhalten. Die Zukunftsthemen Innovation, Kooperation und Digitalisierung stehen im Fokus der aktuellen Stiftungsarbeit.

München Rid Stiftung

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