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Zweites Dürrejahr in Folge? „Die Witterung ist für den Wald nicht günstig“

Sonntag, 05. Mai 2019
Borkenkäferbefall an Fichten im Revier Schönau, Region Heidelberg

Im Odenwald stellt sich die Evangelische Stiftung Pflege Schönau (ESPS) auf ein zweites Dürrejahr in Folge ein. Die Stiftung bewirtschaftet rund 7.500 Hektar Wald in der Region Heidelberg, Mosbach, Buchen und Sinsheim. Aus dem trockenen Sommer 2018 verzeichnet der Forstbetrieb der kirchlichen Stiftung bereits einen wirtschaftlichen Schaden von rund 300.000 Euro.

„Das vom Deutschen Wetterdienst (DWD) prognostizierte zweite Dürrejahr kommt zwar nicht überraschend. Das Problem ist, wir können den Waldbestand nicht von heute auf morgen klimaresistent umbauen“, erläutert Frank Philipp, Förster bei der ESPS. Zum Vermögen der Stiftung gehören seit der Auflösung des Klosters Schönau im Jahr 1560 große Forstflächen. 22 Mitarbeiter im eigenen Forstbetrieb bewirtschaften den Wald in der Region traditionell nach Kriterien der Nachhaltigkeit.

30 Prozent Schadholz

Als größte körperschaftliche Waldbesitzerin in Baden-Württemberg ist die Stiftung von den Auswirkungen des Klimawandels besonders betroffen. 2018 bescherten der trockene Sommer und in dessen Folge ein starker Befall an Borkenkäfern rund 16.000 Festmeter Schadholz, sogenanntes „Käferholz“. Das sind 30 Prozent der Menge, die die Stiftung unter normalen Wetterbedingungen einschlägt. Auch für 2019 mussten die Forstwirte bereits 3.400 Festmeter Käferholz verbuchen, Tendenz steigend. „Alles ist natürlich relativ. Nach dem Sturm Lothar im Jahr 1999 haben wir 300 Prozent des Jahreseinschlags verloren“, so Philipp. Ein verregneter Sommer würde genügen, so schätzt er, um in diesem Jahr die Situation zu entspannen.

Lösung: Langsamer Umbau des Baumbestandes

Ob Regen kommt, können wir nicht steuern. Die ESPS reagiert deshalb mit verlässlicheren Mitteln. Die Experten bevorzugen beispielsweise klimatolerantere Baumarten wie Douglasie, Tanne, Eiche, versuchsweise auch Baumhasel. Die Fichte wird damit langsam reduziert. Insbesondere die Douglasie wird im Wald der ESPS schon seit den 1970er intensiver angebaut. Sie hat aktuell einen Anteil von 10 Prozent, die Fichte liegt bei rund 33 Prozent. Dieser Anteil wird sich langsam weiter zugunsten der Douglasie verschieben. Langfristig ersetzt die Douglasie die Fichte, d.h. es findet ein Austausch statt. Frank Philipp: „Da wir unseren ganzen Wald nicht von heute auf morgen umbauen können - die Produktionszeiten liegen bei über 100 Jahren - geht das eben nur in kleinen Schritten, über einen Zeitraum von Jahrzehnten.“

Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau (ESPS) ist eine Vermögensverwaltung der Evangelischen Landeskirche in Baden. Das von ihr verwaltete Stiftungsvermögen ist der Landeskirche gewidmet. Aus rund 21.000 Erbbau- und Pachtverträgen, Investitionen in Immobilienfonds, der Vermietung von rund 800 Wohnungen sowie der Bewirtschaftung von 7.500 Hektar Wald erzielt die Stiftung Erlöse, um ihren Stiftungszweck zu erfüllen: kirchliches Bauen zu finanzieren und Besoldungsbeiträge für Pfarrstellen bereitzustellen. Darüber hinaus stellt die ESPS weitere finanzielle Mittel für den Haushalt der Evangelischen Landeskirche bereit. Das Stiftungsvermögen stammt aus dem ehemaligen Kloster Schönau (Odenwald), das 1560 im Zuge der Reformation aufgelöst wurde und seitdem durch einen „Pfleger“ bestellt wird. Heute verwaltet die Stiftung das Vermögen. Sie ist mit 77 Mitarbeitern eine der ältesten Institutionen Heidelbergs.

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