Artikel Wissen

« Zurück

Gutes gut tun

22. März 2018 | Gründung & Co.

Fragen und Antworten zu einer erfolgreichen Errichtung einer gemeinnützigen Stiftung

Stifterinnen und Stifter prägen die Zukunft. Helfen und teilen zu wollen, ist ein menschlicher, ein mitmenschlicher Antrieb. Stifter möchten dauerhaft zur Bewältigung von Herausforderungen beitragen, die sie für besonders wesentlich erachten. Über ihre Lebensspanne hinaus haben sie Ziele vor Augen, die in ihrem Sinne und in ihrem Namen dauerhaft verwirklicht werden sollen.

Die Weichen für das Wirken einer Stiftung werden bereits bei ihrer Gründung maßgeblich gestellt. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, die Errichtung einer Stiftung professionell zu planen – damit Gutes sprichwörtlich nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht wird.

Wann stiften? 

Mit der Motivation, die Stiftung aktiv mitzugestalten, ihr gemeinnütziges oder mildtätiges Wirken zu prägen und am Stiftungserfolg teilzuhaben, errichten 90 Prozent der Stifterinnen und Stifter ihre Stiftung zu Lebzeiten. Viele entscheiden sich dabei für den Weg der Anstiftung, häufi g kombiniert mit regelmäßigen Spenden, und einer letztwilligen Dotierung. Der Stifter, die Stifterin hat so die Möglichkeit, einen Eindruck von den Fähigkeiten der zukünftig mit der Stiftungsleitung und -verwaltung betrauten Personen und Institutionen zu bekommen und ihnen jenseits des Wortlautes der Satzung zu verdeutlichen, welche persönlichen Ziele und Werte er bzw. sie mit der Stiftung verwirklicht wissen möchte. Natürlich lässt sich eine Stiftung aber auch durch ein Testament oder ggf. durch einen Erbvertrag errichten.

Wofür stiften?

Stiftungen sind so individuell wie ihre Stifter – häufig geben persönliche Betroffenheit, Dankbarkeit oder individuelle Neigungen den Impuls zur Stiftungsidee. Die Vielfalt der gemeinnützigen und mildtätigen Zwecke ist groß und reicht von Kunst und Kultur über Wissenschaft, Bildung und Soziales bis hin zum Umwelt- und Naturschutz.

Stehen die Stiftungszwecke für den Stifter fest, schließt sich die Frage an, wie sich diese bestmöglich verwirklichen lassen. Ist es erforderlich, eigene Programme zu entwickeln und mit eigenem Personal umzusetzen? Oder versteht sich die Stiftung als Unterstützerin guter Ideen, als Förderin? Ist die regelmäßige Verleihung eines Preises eff ektiver als die Unterstützung einzelner Projekte? Wichtig ist es, für die Stiftung eine Strategie nach Maß zu finden: Konzentrieren sich kleinere Stiftungen von Anfang an auf einen bestimmten Förderaspekt, sind sie schlagkräftig und können ihr Profil auch mit geringeren Mitteln ausbilden.

Wieviel Vermögen ist für die Errichtung einer Stiftung notwendig?

Das der Stiftung vom Stifter zugewandte Vermögen sollte so bemessen sein, dass die daraus fließenden Erträge ausreichen, um den Stiftungszweck nachhaltig zu erfüllen. Zudem sollten Stifter bedenken, dass Vermögen – einmal in die Stiftung eingebracht – unwiderruflich auf diese übergeht. Ein ausreichendes Vermögen für die private Lebenshaltung bis ins hohe Alter sollte also gewährleistet sein.

Eine gesetzliche Regelung, in welcher Höhe Stiftungsvermögen zur Errichtung einer Stiftung erforderlich ist, gibt es nicht – in der Praxis zeigt sich, dass Stiftungsbehörden von einem Anfangsvermögen von mindestens 50.000 Euro bei enger Zwecksetzung ausgehen, um eine rechtsfähige Stiftung anzuerkennen. Eine Treuhandstiftung kann, abhängig von der jeweiligen Finanzbehörde sowie unter der Prämisse, dass der Stiftungszweck erfüllt wird, auch mit einem geringeren Vermögen errichtet werden. Neben Geld können auch Wertpapiere, Beteiligungen an Gesellschaften, bebaute und unbebaute Grundstücke sowie übertragbare Rechte wie Schenkungsversprechen, Nießbrauch, Patente, Lizenzen oder Urheberrechte in das Stiftungsvermögen einfließen.

Welche Form der Stiftung ist für mein Anliegen die richtige?

Die beiden klassischen Stiftungstypen sind die rechtsfähige und die nichtrechtsfähige Stiftung, letztere wird auch treuhänderische oder unselbstständige Stiftung genannt. Die Wahl der Rechtsform hängt von den mittel- und langfristigen Zielen, aber auch von Fragen der gewünschten Organisationsstruktur und Flexibilität der Stiftung ab.

Die Treuhandstiftung etwa ist aufgrund ihrer schlanken Organisation insbesondere für fördernde Stiftungen und weniger für operative Stiftungen geeignet. Darüber hinaus bewahrt sich der Stifter, die Stifterin mit dieser Rechtsform – jedenfalls zu Lebzeiten – ein hohes Maß an Flexibilität, denn Satzungsänderungen sind lediglich mit der Finanzverwaltung abzustimmen und damit einfacher möglich.

Die rechtsfähige Stiftung bedarf hingegen der staatlichen Anerkennung und unterliegt der Rechtsaufsicht. Sie besitzt eine eigene Rechtspersönlichkeit und ist damit zur Umsetzung komplexerer Zwecksetzungen oder zur Organisation einer operativen Tätigkeit geeignet.

Grundsätzlich haben sowohl rechts- als auch nichtrechtsfähige Stiftung viele Gemeinsamkeiten: Ihre formalen Grundlagen sind gleich, auch sind beide Stiftungstypen aufgrund ihrer Gemeinnützigkeit steuerbegünstig. In der Praxis entfalten sie dieselbe Wirkung, bei beiden Rechtsformen kann die Stiftungsarbeit vom Stifter selbst gestaltet werden.

Neben den beiden klassischen Stiftungstypen gibt es weitere Möglichkeiten, sich zielgerichtet und nachhaltig zu engagieren. Für kleinere Vermögen ist etwa ein Stiftungsfonds eine Alternative, zudem gibt es weitere Stiftungsersatzformen. Auch das Deutsche Stiftungszentrum im Stifterverband, das aktuell über 650 Stiftungen betreut, bietet zahlreiche Möglichkeiten, ein kleineres Vermögen in den Dienst eines gemeinnützigen Zweckes zu stellen.

Und ganz konkret: Eine Stiftung gründen, wie geht das? 

Für die Errichtung einer Stiftung sind das Stiftungsgeschäft und die Formulierung einer Stiftungssatzung unerlässlich, beide Dokumente bilden das Fundament einer jeden Stiftung. Im Stiftungsgeschäft bringt der Stifter zum Ausdruck, eine Stiftung gründen zu wollen. Es bedarf der Schriftform und muss u.a. die folgenden verbindlichen Erklärungen des Stifters beinhalten: die Rechtsform der zu gründenden Stiftung (rechtsfähig oder nichtrechtsfähig), den Namen der Stiftung, die Bezifferung des der Stiftung zugewandten Vermögens und die Festlegung der Stiftungszwecke.

Die Satzung ist das Herzstück der Stiftung, sie bildet die rechtliche Grundlage für die Stiftungsarbeit. Ihr kann eine Präambel vorangestellt werden, die die stifterischen Motive, Anliegen und Ziele ausführlicher darstellt. Darüber hinaus beinhaltet die Satzung verbindliche Regelungen u. a. zum Stiftungsnamen, zum Sitz der Stiftung, zu Stiftungszweck, Vermögen der Stiftung sowie zum Stiftungsgremium bzw. -gremien. Im Regelfall – eine Ausnahme stellt hier die Verbrauchsstiftung dar – gibt die Satzung vor, dass das Stiftungsvermögen dauerhaft zu erhalten ist.

Ein abschließender Rat für potentielle Stifterinnen und Stifter?

Eine Stiftung zu gründen, gehört zu den großen Lebensentscheidungen. Damit die Stiftung den individuellen Wünschen und Zielen des Stifters, der Stifterin entspricht und nachhaltig Wirkung erzielt, ist eine detaillierte Auseinandersetzung damit, wie die Stiftung bestmöglich aufgesetzt werden kann, unabdingbar. Der Einbezug eines professionellen Stiftungsberaters, der rechtliche Expertise besitzt und Erfahrungen aus der Stiftungsadministration einbringt, ist in der Regel sinnvoll, und zwar bereits in der Konzeptionsphase. Je besser und eingehender die Errichtung der Stiftung durchdacht und rechtlich gestaltet worden ist, desto weniger häufi g werden später rechtliche Schwierigkeiten bei der Führung der Stiftung auftreten – damit die Stiftungsidee erfolgreich realisiert wird und große Wirkung erzielt.

Downloads

Essen Deutsches Stiftungszentrum GmbH


Kontakt

Deutsches Stiftungszentrum GmbH
Barkhovenallee 1
45239 Essen

Kooperations- & Medienpartner

© 2018, “Stiftungsführer” Michel und Stich GmbH
Alle Rechte vorbehalten