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Energy of a Green City

15. August 2018 | Interview

Interview mit Jens Mühlhaus und Kathrin Enzinger: Stiftungsführer Magazin Stuttgart / Baden-Württemberg

Energiewende, Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit – Begriffe, die nicht zuletzt aufgrund ihrer inhaltlichen Relevanz ihr alternatives Image schon lange abgelegt haben. Wie jedoch passen ökologische Ansätze, unternehmerisches Denken und Kapitalanlagen zusammen? Im Interview mit dem Stiftungsführer sprechen Jens Mühlhaus, Mitbegründer und Vorstand, sowie Kathrin Enzinger, Geschäftsbereichsleitung Finance der Green City AG, über die Ursprünge, die Geschäftsfelder und die Vision dieses innovativen und zukunftsweisenden Unternehmens.

Green City Energy entstammt ursprünglich der Umweltschutzorganisation Green City e.V., Herr Mühlhaus, Umweltschutz und Kapitalgesellschaft – ist dies nicht eigentlich ein Widerspruch in sich?

Jens Mühlhaus: Nein. Gar nicht. Ganz im Gegenteil. In unserem Verein liegen unsere Wurzeln. Alles was wir tun und warum wir es tun, hat seinen Ursprung in unserem Mutterverein. Nur das „Wie“ hat sich verändert. Es begann mit dem Bau unseres Solarpark 2000 im Jahr 1999, den wir auf städtischen Gebäuden installiert haben. Nachdem die rot-grüne Bundesregierung die Einspeisevergütung eingeführt hatte, bekam die gesamte Erneuerbare-Energien-Branche einen unglaublichen Auftrieb. Daraus ist dann unser heutiges Unternehmen - die Green City AG - entstanden.

Spielt der Verein eine aktive Rolle?

Jens Mühlhaus: Die Rollenverteilung ist ganz klar: Unser Verein, der noch immer mehrheitlich an unserer AG beteiligt ist, stellt die politischen, wir die unternehmerischen Weichen in unseren Themenfeldern Energie, Verkehr und Stadtgestaltung. Das birgt für beide „Familienmitglieder“ ein enormes Potenzial. Darüber hinaus sind beides wichtige Schlüsselfunktionen, wenn wir an unseren übergeordneten Handlungsauftrag denken: die Transformation des Energie- und Verkehrssektors.

Konzentriert sich Green City Energy auf Süddeutschland oder agieren sie auch in anderen Regionen?

Jens Mühlhaus: Selbstverständlich ist München unsere Heimat und wir haben erst hier, später großflächig im süddeutschen Raum angefangen, Erneuerbare-Energien-Anlagen zu bauen. Obwohl es hier noch genug Potenzial für mehr Wind- und Fotovoltaik-Anlagen gäbe, haben uns die politischen Rahmenbedingungen gezwungen, über den süddeutschen Tellerrand hinaus zu schauen. Grenzen für den Zubau von neuen Anlagen sowie ein erschwertes Ausschreibungsverfahren haben dafür gesorgt, dass wir für den Windbereich auch in Richtung anderer Bundesländer wie Hessen, dem Saarland und Brandenburg blicken.

Und wie sieht es international aus?

Jens Mühlhaus: Inzwischen agieren wir als Projektierer nicht nur deutschland-, sondern europaweit. So können beispielsweise schon heute in Spanien Fotovoltaik-Anlagen ohne Förderung gebaut und betrieben werden. Eine Entwicklung, die uns, unserem Ziel einer Energiewende losgelöst von politischen Kehrtwenden, ein großes Stück näherbringt.

Können Sie etwas über die Gewichtung der einzelnen Geschäftsfelder von Green City Energy sagen?

Jens Mühlhaus: Unser Ziel ist eine ressourcenunabhängige und klimafreundliche Energieversorgung durch 100 Prozent regenerativen Strom. Mit unseren fünf Geschäftsbereichen Renewables, Finance, Power, Drive und Experience setzen wir den größtmöglichen Hebel in Bewegung, die Energie- und Verkehrswende in die Tat umzusetzen. Unser Kerngeschäft ist die Planung, der Bau und der Betrieb von Erneuerbare-Energien-Anlagen sowie die Finanzierung durch innovative Bürgerbeteiligungskonzepte.

Stichwort „Bürgerenergie“: Was genau ist darunter zu verstehen?

Jens Mühlhaus: In unserer Welt stellen die Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke unserer Kraftwerksparks die Energie von morgen bereit. Diese benötigen wir für die Versorgung von Elektrizität und Wärme sowie Mobilität. Wir sprechen hier von einem großen Ziel, das wir nur mit partizipativen Strukturen erreichen. Darum sind für uns Teilhabe und Teilnahme untrennbar mit unserem unternehmerischen Handeln verbunden. Bei der Umsetzung unserer Energieprojekte verfolgen wir daher immer einen partnerschaftlichen Ansatz, den wir mit „Energie in Bürgerhand“ beschreiben.

Welche Bevölkerungsschicht sprechen Sie mehrheitlich an?

Jens Mühlhaus: Jeden, es gibt keine Einschränkungen. Wir haben viele Anleger, die uns von der ersten Stunde an begleitet haben. Darunter sind viele Überzeugungstäter, die uns seit über 20 Jahren kennen und auch heute noch Geld für ihre Enkel bei uns anlegen. Ohne sie wären wir nicht da, wo wir heute stehen. Sie haben von Anfang an an uns und unsere Vision einer lebenswerten Umwelt geglaubt.

Inzwischen sind wir zu Deutschlands zweitgrößtem Emissionshaus für Erneuerbare Energien herangewachsen. Auch wenn der Markt der nachhaltigen Geldanlagen sich noch in einem kleinen Umfeld bewegt, entwachsen wir langsam dem Nischensegment. Das Bewusstsein für nachhaltige Kapitalanlagen steigt stetig. Und das ist gut so, denn der Weg zu einer klimafreundlichen Energieversorgung ist noch ein weiter.

Wie ist Ihre Prognose für eine klimafreundliche bzw. klimaneutrale Energieversorgung für die nächsten 10 bis 50 Jahre?

Jens Mühlhaus: Der Klimawandel ist nicht mehr zu stoppen, nur zu begrenzen – alle Prognosen und Studien sprechen eine deutliche Sprache. Dass eine klimaneutrale Energieversorgung daher eines Tages kommen wird, steht meines Erachtens außer Frage. Es geht darum, wie rasch und konsequent wir diesen Transformationsprozess gestalten.

Bei den Leistungen von Green City Energy findet man neben Angeboten im Bereich Energie und Mobilität auch Geldanlagen. Frau Enzinger, können Sie bitte kurz umreißen, was unter „ökologischen Geldanlagen“ zu verstehen ist?

Kathrin Enzinger: Neben den klassischen Anlagekriterien wie Rendite, Sicherheit und Liquidität, geht es bei unseren Produkten um eine weitere Dimension: die Werte und den Zweck, für den das eingesetzte Kapital genutzt wird. Wir haben die Themen Klimaschutz und Energiewende mit der Muttermilch aufgesogen. Dieses spiegelt sich auch in unseren Finanzprodukten wider. All unsere Kapitalprodukte fördern konsequent den Ausbau der Erneuerbare-Energien-Anlagen und bieten somit unseren Anlegern die Möglichkeit, die Energiewende aktiv mitzugestalten.

Worin unterscheiden sich Ihre Finanzprodukte von anderen, herkömmlichen Produkten auf dem Kapitalmarkt?

Kathrin Enzinger: Das bei uns eingesetzte Kapital arbeitet ausnahmslos für den Umbau und die Transformation des Energiesektors. Dabei spielt für uns das Thema Transparenz eine sehr große Rolle. Als TÜV-geprüftes Energiewende-Unternehmen stehen wir von Kopf bis Fuß für den Umbau unserer Energieversorgung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien. All unsere Produkte entsprechen den strengen Nachhaltigkeitskriterien des ecoReporter-Siegels. Als Mitglied im Forum für Nachhaltige Geldanlagen sind wir stets im Austausch mit anderen Akteuren und gestalten den Markt der ökologischen Geldanlagen aktiv mit. 

Sind Sie als Emissionshaus anzusehen oder als Mittler?

Kathrin Enzinger: Wir agieren als grünes Emissionshaus, wobei es hier einen ganz klaren Unterschied zu klassischen Häusern gibt. Wir betreuen unsere Erneuerbare-Energien-Projekte vom Bau der Anlagen, im Betrieb über mehr als 20 Jahre bis hin zum Verkauf oder Rückbau. Unsere Anleger können bei uns in die Ökologischen Geldanlagen investieren und werden bis zur Auflösung von unserer Anlegerbetreuung transparent informiert. Bei Interesse kann jeder Anleger sogar die monatlichen Stromerlöse „seiner“ Erneuerbare-Energien-Anlagen im Anlegerportal einsehen. Bei uns geht es also um mehr als den reinen An- und Verkauf von Projekten. Unsere Geldanlagen bündeln die Energieprojekte, die unser Unternehmen selbst realisiert.

Welches Volumen umfasst das bisher in Ihre Finanzprodukte angelegte Kapital?

Kathrin Enzinger: Wir haben rund 452 Millionen Euro Investitionen in Erneuerbare Energien ausgelöst. Unter unseren 6 300 Anlegern sind neben Kleinanlegern auch professionelle Kapitalgeber und Stiftungen vertreten. Angefangen haben wir mit kleineren Volumina, bieten aber inzwischen mit unseren Produkten wie dem „Solarimpuls“ ein Emissionsvolumen von 50 Millionen Euro. Die Erhöhung des Investitionsvolumens bietet für unsere Anleger die Chance einer breiteren Risikostreuung, die uns in der Entwicklung der Produkte besonders wichtig ist. 

Wie sieht es mit dem Risiko bei einer Anlage in eines Ihrer Finanzprodukte aus? Gerade für Stiftungen ist dies ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Kapitalanlage.

Kathrin Enzinger: Wir wünschen uns Anleger, die langfristig in die Energiewende investieren und so sind auch unsere Kapitalprodukte konzipiert. Aber jedes Investment birgt auch gewisse Risiken, die wir versuchen mit einer breiten Projektbasis abzufedern. Jeder Anleger muss und soll sich vor einem Investment intensiv mit den Chancen und Risiken seiner Kapitalanlagen auseinandersetzen. Das gilt aber für alle Kapitalprodukte, nicht nur explizit für Ökologische Geldanlagen. Seit 2005 sind wir allen Verpflichtungen gegenüber unseren Genussrechtund Anleihegläubigern fristgerecht nachgekommen. In unseren regelmäßig veröffentlichten Leistungsbilanzen haben Anleger und Interessierte die Möglichkeit, sich über unsere Performance zu informieren.

Eine Anlage bei Green City Energy heißt also Investition in die Zukunft?

Jens Mühlhaus: In diesen Jahren werden in ersten Regionen Europas Erneuerbare Energien wettbewerbsfähig. Als erste regenerative Energiequelle ist Solarstrom bereits heute die günstigste Energiequelle der Welt. Das ist eine Entwicklung, vor der auch die Politik nicht mehr die Augen verschließen kann. Deswegen ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann staatlich vorgeschriebene Zubau-Grenzen und eine künstlich am Leben erhaltene Kohleindustrie endlich weichen müssen. Wir sehen uns hier genau auf dem richtigen Weg und forcieren durch unsere Arbeit tagtäglich, dass die klimaneutrale Energieversorgung lieber heute als morgen Realität wird.

Das Interview wurde geführt von Karen Krüger.

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