Artikel Wissen

« Zurück

Gemeinsam Gutes besser machen

04. Februar 2019 | Interview
Thomas Michel (links im Bild), Mitgründer und Vorstand der Wiesbaden Stiftung und Sven-Oliver Massar (rechts im Bild), Direktor und Leiter der Quirin Privatbank, Niederlassung Wiesbaden

Ein Banker, ein Gynäkologieprofessor und ein Wiesbadener Urgestein  an einem Tisch. Haben sich diese drei Menschen etwas zu sagen?  Klare Antwort: Ja. Und mehr noch! Denn sie machen längst „gemeinsame Sache“ mit Blick auf Menschen und Region. Sven-Oliver Massar von der Quirin Privatbank, Prof. Dr. Frank Louwen von der Deutschen Stiftung Frauengesundheit und Thomas Michel von der Bürgerstiftung Wiesbaden über das Bündeln von Kräften, Vertrauen und Kreativität.

Die Quirin Privatbank arbeitet seit Jahren eng mit Stiftungen aus dem Rhein-Main-Gebiet zusammen. Wie würden Sie Ihre Vorgehensweise beschreiben, worauf richten Sie Ihren Fokus dabei?

Sven-Oliver Massar: Stiftungen haben eine lange Tradition und waren immer eine wichtige Säule der Gesellschaft. Wir richten unseren Fokus ganz klar an den individuellen Wünschen und Anforderungen unserer Kunden aus. Unser Ziel ist es, fachlich dort zu unterstützen, wo die gemeinsam festgestellten Herausforderungen liegen. Hierfür bringen wir nicht nur unsere langjährige Beratungskompetenz ein, sondern auch unser Netzwerk von Partnern aus den unterschiedlichen Bereichen des Stiftungsmanagements. Es sind Experten in Markenführung, Rechts- und Steuerberatung gefragt.

Herr Michel, Sie sind in Wiesbaden aufgewachsen, Kaufmann und betreiben in der vierten Generation ein Familienunternehmen am Ort. Vor 15 Jahren haben Sie mit ebensolcher Leidenschaft die Bürgerstiftung Wiesbaden mitgegründet. Was war Ihre Motivation?

Thomas Michel: Damals war ich im Vorstand des ehemaligen Kur- und Verkehrsverein Wiesbaden e. V. und wir hatten die Idee einer Kulturstiftung. Daraus wurde dann eine Bürgerstiftung für Wiesbaden.

Wenn Sie zurückblicken und Wiesbaden heute und damals vergleichen, was hat sich verändert? Was hat die Bürgerstiftung dazu beigetragen?

Thomas Michel: Gleich von Beginn an haben wir uns auch um die Jugend mit einigen Projekten gekümmert wie mit dem „Leonardo SchulAward“. Mittlerweile ist eine ganze Generation von „Leonardo-Schülerinnen und -Schülern“ herangewachsen: willensstark, teamfähig und hoch motiviert für die Zukunft. Wir haben viele derartige Netzwerke bilden können, aus denen weitere zahlreiche Projekte und eigenständige Vereine entstanden sind. Gerade auch die von uns initiierten und realisierten Projekte zur Fortbildung für Ehrenamtliche und die Förderung des Zusammenhaltes unserer Heimat sind heute überall für die Wiesbadener spürbar. Wir haben aber auch direkt sichtbare Zeichen gesetzt mit zahlreichen Aktionen wie dem Aufstellen von Pflanzkübeln oder Parkbänken bis hin zur Verschönerung ganzer Stadtteile.

Herr Prof. Dr. Louwen, Sie sind Leiter der Geburtshilfe am Uniklinikum Frankfurt und haben im Laufe der Jahrzehnte über 13.000 Kinder zur Welt gebracht. Sie üben eine Tätigkeit aus, die mehr Berufung als Beruf ist. Mit einer großen Portion Realitätssinn und sehr beherzt sind Sie auch die Gründung der Deutschen Stiftung Frauengesundheit angegangen. Diese hat es sich auf ihre Fahnen geschrieben, Frauen medizinisch besser zu behandeln. Warum ist das notwendig?

Frank Louwen: Die Medizin hat sich rasant weiterentwickelt und viele Fortschritte erzielt. Trotzdem existieren noch zahlreiche Lücken in der medizinischen Behandlung von Frauen, das erlebe ich täglich in meinem Fachgebiet. So liegen nur in wenigen Bereichen der Frauenheilkunde optimale Informationen über die besten Behandlungsmethoden vor. Als Beispiel: In den Bereichen „Frühgeburten“, „Vermeidung von Geburtsschäden“ oder „Brustoperationen“ stehen keine einheitlichen Standards für die bestmöglichen Behandlungsmethoden von Frauen und ihren Kindern zur Verfügung. Damit fehlen für Ärztinnen und Ärzte gute und vor allem wissenschaftlich fundiere Behandlungsempfehlungen, um ihre Patientinnen bestmöglich begleiten zu können. Das möchte die Deutsche Stiftung Frauengesundheit ändern: Alle Frauen in Deutschland sollen Zugang zu bester Medizin auf dem aktuellen Wissensstand haben.

Hinter Ihnen und Ihrer Stiftung stehen rund 20.000 Ärztinnen und Ärzte. Was möchten Sie konkret erreichen?

Frank Louwen: Ja, die Resonanz auf die noch junge Stiftung ist überwältigend. Auch die beiden großen Verbände der Frauenheilkunde – die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) – unterstützen die Stiftung. Was wir konkret erreichen möchten, ist die schnellere Erstellung von mehr Leitlinien. Denn in der Medizin wird die optimale Behandlung über Leitlinien erreicht. Sie informieren über die Behandlungsmethoden, die die besten Therapieerfolge erzielen. Fachbereiche, in denen es diese Leitlinien gibt, wie zum Beispiel in der Onkologie, konnten nachweislich die Behandlungsstandards heben und bessere Behandlungserfolge erzielen. Leider gibt es diese Leitlinien bisher nur für wenige Krankheitsbilder bei Frauen.

Warum fördern Sie als Bank die Deutsche Stiftung Frauengesundheit?

Sven-Oliver Massar: Wir waren sofort vom innovativen Stiftungsgedanken sowie dem persönlichen Engagement von Herrn Prof. Dr. Louwen überzeugt. Speziell für Frauen entwickelte Gesundheitsleitlinien zeigen neutral und transparent wichtige Behandlungsalternativen auf. Der soziale Aspekt, durch wissenschaftlich fundierte Studien und daraus abgeleitete Therapiemethoden gesundheitliche Problemfelder anzugehen, ist nicht zu unterschätzen. Durch unser großes Netzwerk aus Kunden und Partnern planen wir, viele weitere Förderer mit der Stiftung zusammenzubringen.

Kann sich die Quirin Privatbank mit den Idealen der Wiesbadener Bürgerstiftung identifizieren?

Sven-Oliver Massar: Absolut! Die Wiesbadener Bürgerstiftung und die Quirin Privatbank Wiesbaden verbindet die aktive Förderung von regionalen und sozialen Projekten sowie die Vernetzung der Marktteilnehmer. Wir können uns gegenseitig Türen öffnen und eine Plattform für die vielen wichtigen Initiativen der Stadt bieten. Die Stiftung wird von großem bürgerlichem Engagement getragen – dieses möchten wir als in Wiesbaden verankertes Unternehmen schätzen und unterstützen.

Was rät die Quirin Privatbank Stiftungen in der heutigen Zeit? Wovor warnen Sie als Anlageexperten? Und im Gegenzug, was sollten Stiftungen im Gegenzug beherzigen?

Sven-Oliver Massar: Der Stiftungsvorstand unterliegt einer gewissen Sorgfaltspflicht und muss das Leitbild und die Vision der Stiftung mit wichtigen Vermögensfragen in Einklang bringen. Das ist eine große Herausforderung. Denn neben der breiten Streuung der Vermögenswerte sind auch ein ausgewogenes Cash Management sowie die Schaffung von Kostentransparenz wichtige Pflichtaufgaben. Erfolgreiche Stiftungsarbeit erfordert ein klares Anlagekonzept und langjährige Erfahrung. Es empfiehlt sich daher frühzeitig einen Experten einzubinden.

Was unterscheidet Sie als Privatbank von anderen Banken?

Sven-Oliver Massar: Die Quirin Privatbank erbringt ihre Anlageberatung unabhängig und frei von Interessenkonflikten auf Honorarbasis. Der besondere Mehrwert für unsere Kunden ist quasi die Objektivität per Gesetz, das heißt vollständige Kostentransparenz und eine damit verbundene hohe Kundenorientierung. Das bescheinigen uns auch regelmäßig unabhängige Vermögensverwaltungstests mit Bestnoten, wie beispielsweise von FOCUSMONEY und n-tv.

Die Quirin Privatbank ist einer Ihrer Mitstifter. Ist das nicht ungewöhnlich – die Partnerschaft von einer Bank und einer Bürgerstiftung?

Thomas Michel: Für eine Bürgerstiftung ist die Teilnahme von Banken von großem Vorteil. Denn Banken sind wichtige Player in einer Stadt und starke Unterstützer des Ehrenamtes. Insoweit begrüßen wir es sehr, die Quirin Privatbank mit im Boot zu haben.

Wo möchten Sie mit der Wiesbaden Stiftung in 15 Jahren stehen? Ist es wichtig, gemeinsam mit Partnern wie der Quirin Privatbank die Zukunft zu gestalten?

Thomas Michel: In 15 Jahren möchten wir ein eigenes Stiftungs-Zentrum für Wiesbaden vorweisen können. Dort können sich dann Jung und Alt treffen und jegliche Formen zu Spenden werden möglich sein. Denn Geld oder auch Zeitspenden müssen zielorientiert vermittelt werden. Zusätzlich soll die Verwaltung von Stiftungen unkompliziert und kostengünstig angeboten werden. Hier stehen Repräsentanten von Stiftungen zur Beratung zur Verfügung. Denn alles rund um Themen wie Stiftungen, Finanzanlagen und Ehrenamt sollte auch mit Personal vertreten sein. Dazu zählen natürlich auch Banken wie die Quirin Privatbank.

Bei der Beratung einer Stiftung übernehmen Sie als Bank eine große Verantwortung. Wie wird die Quirin Privatbank dieser gerecht? Immerhin haben Sie ca. zehn Prozent Stiftungen unter Ihren Kunden in Wiesbaden.

Sven-Oliver Massar: Das stimmt, wir nehmen diese Verantwortung sehr ernst. Wir werden von unseren Stiftungskunden als Privatsekretär für finanzielle Belange wahrgenommen. Sie schätzen, dass wir uns durch das umfassende Engagement im Stiftungsmanagement regelmäßig fachlich weiterbilden, vernetzen und damit immer wieder einen Mehrwert schaffen. Mir und meinem Team in Wiesbaden ist es ein persönliches Anliegen, dass wir uns auch privat in ganz unterschiedlichen Projekten gemeinnützig engagieren. Hier schließt sich dann der Kreis der Verantwortung.

Inwiefern ist eine Kooperation, wie beispielsweise die mit der Quirin Privatbank, wichtig für Ihre Stiftungsarbeit?

Frank Louwen: Die Deutsche Stiftung Frauengesundheit ist noch eine junge Stiftung. Gerade in der Anfangsphase war es daher wichtig, ideelle und materielle Unterstützung zu bekommen und ein Netzwerk aufzubauen. Die Quirin Bank hat uns dabei von Anfang an unterstützt und sich nicht nur auf den Bereich der Finanzen und Vermögensverwaltung beschränkt. Viele mögliche Ansätze, wie die Stiftung weiter wachsen, bekannter werden, Zuwendungen erhalten und die Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit verbessern kann, wurden diskutiert und von der Quirin Privatbank aktiv unterstützt.

Was haben Sie bisher mit der Deutschen Stiftung Frauengesundheit erreicht, was streben Sie weiterhin an?

Frank Louwen: Die Stiftung hat bereits die erste S3-Leitlinie zum Thema „Schwangerschaft und Adipositas“ voll finanzieren können, worauf wir sehr stolz sind. Die Leitlinie wird gerade erstellt und 2019 veröffentlicht. Die Wirkung einer S3-Leitlinie ist enorm: Sie erreicht alle 20 000 Frauenärzte und alle 41 Millionen Frauen in Deutschland. Damit können die weltweit besten Behandlungsmethoden zum Wohle aller Patientinnen angewendet werden. Die nächsten Leitlinien der höchsten Qualitätsstufe, deren Erstellung die Stiftung finanziell unterstützen wird, sind zum einen „Brustentzündungen“, der Fachbegriff ist „Mastitis“. Zum anderen fördern wir die Realisierung der Leitlinie „Die Geburt sicherer machen – Überwachung des Fötus unter der Geburt“. Dies sind wichtige Themen, bei denen die Stiftung einen weiteren entscheidenden Beitrag zur Frauengesundheit leisten kann.

Wer kann helfen, Herr Prof. Dr. Louwen? Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft und der Politik zur Umsetzung der angestrebten Projekte?

Frank Louwen: Wir freuen uns über jede Unterstützung! Die Kosten für die Erstellung einer S3-Leitlinie belaufen sich typischerweise auf 200.000 bis 250.000 Euro. Die Stiftung Frauengesundheit hat sich zum Ziel gesetzt, mindestens eine S-3 Leitlinie pro Jahr zu finanzieren. Dafür benötigt die Stiftung Spenden und Zustiftungen. Wir konnten bereits viele Förderer aus den Bereichen von Medizin, Politik, Wirtschaft und Medien für die Stiftung gewinnen, suchen aber kontinuierlich weitere Unterstützer. Auch unsere Förderer profitieren: Eine Spende an die Stiftung ist ein optimal eingesetztes „soziales Investment“. Wie oben erwähnt, erreicht eine Spende über die S-3 Leitlinie die gesamte Frauenärzteschaft und alle Frauen in Deutschland. Das ist die größtmögliche Wirkung, die eine Unterstützung erreichen kann und die nur wenige gemeinnützige Anliegen erzielen.

Wer kann sich bei Ihnen für Wiesbaden engagieren und wie?  

Thomas Michel: Jeder! Die Stiftung bietet verschiedene Möglichkeiten, sich für unsere Stadt einzusetzen: Sie können Stifterin oder Stifter werden. Daneben können Sie aber auch einfach spenden, mit oder ohne Zweckbindung. Oder Sie werden Mitglied in unserem Verein „Freunde der Wiesbaden Stiftung“, wo für jedes Portemonnaie etwas dabei ist. Schließlich können Sie sich auch persönlich engagieren und „stiften“ sozusagen Ihre Zeit. Das geht direkt bei der Stiftung selbst, aber auch im Verein in den jeweiligen Gremien oder bei einem unserer Projekte. Zu all diesen Themen erfahren Sie genaueres in unserer aktuellen Broschüre „Mitmachen“.  

Was fangen Sie, Herr Massar, mit dem Stichwort „Kreativität“ an? Wie wichtig ist diese Eigenschaft für einen Banker, um wirklich gut beraten zu können?

Sven-Oliver Massar: Ein integrer Banker sollte das Eigeninteresse nicht vor die individuellen Bedürfnisse seines Kunden stellen. Die „Kreativität“ besteht darin, die Herausforderungen der aktuellen und zukünftigen Lebenssituation des Kunden professionell zu bewerten und daraus ein nachhaltiges, risikoadjustiertes Anlagekonzept abzuleiten. Im Stiftungsmanagement muss ein Banker umfangreiche Kenntnisse zu Aufbau, Struktur und den rechtlichen Belangen von Stiftungen mitbringen. Idealerweise begleitet er selbst ein Ehrenamt und kennt so beide Seiten des gesellschaftlichen Engagements.

Stichwort „Vertrauen“. Davon leben Sie als Bank, als Bürgerstiftung und in der Frauengesundheit. Wie gehen Sie damit um?

Sven-Oliver Massar: Vertrauen entsteht durch Klarheit, insbesondere in der Kommunikation, ergänzt durch verbindliche Absprachen sowie eine 100 %-ige Objektivität. Dies ist nicht nur im modernen Bankwesen essenziell, sondern umfasst auch den Grundgedanken einer jeden Stiftung.

Das Interview wurde von Jessica Bruder geführt.

Wiesbaden“Stiftungsführer”

Kontakt

“Stiftungsführer” Michel und Stich GmbH
Luisenstraße 8
65185 Wiesbaden

Themen

Kooperations- & Medienpartner

© 2019, “Stiftungsführer” Michel und Stich GmbH
Alle Rechte vorbehalten