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Interview mit Michaela May: "Das geht zu weit!"

25. Januar 2019 | Interview
Michaela May. Foto: © Janine Guldener

Michaela May hält die AfD für eine große Gefahr für Deutschland. Im Gespräch mit dem Stiftungsführer verrät die Schauspielerin außerdem, warum sie sich für die SOS-Kinderdörfer weltweit engagiert.

Frau May, Sie sind in der Vergangenheit nicht als Schauspielerin mit einer politischen Mission in Erscheinung getreten. Beim Thema AfD hingegen beziehen Sie klar Stellung. Warum?

Michaela May: Bei dem Zeitgeist, den man gerade spürt, muss ich meine Stimme erheben und Haltung zeigen! Schauen Sie sich mal genauer das AfD-Parteiprogramm an, da stehen einfach sehr viele undemokratische Dinge drin. Normalerweise äußere ich mich nur selten zu parteipolitischen Fragen. Aber das geht alles viel zu weit!

Die AfD will die Kulturfördermittel genauso abschaffen wie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – Sehen Sie Ihren Berufsstand bedroht?

Michaela May: Dieser Plan ist für die Kultur in Deutschland eine Katastrophe! Die Kulturschaffenden am Theater zum Beispiel, oder an den Opern, die könnten ohne Kulturfördermittel gar nicht arbeiten. Meine größte Sorge ist, dass die Vielfalt verloren geht!

Warum engagieren Sie sich für die SOS-Kinderdörfer?

Michaela May: Nicht nur weil ich zwei gesunde, wunderbare Kinder habe, sondern auch, weil ich der Meinung bin, dass Kinder unsere Zukunft sind, habe ich beschlossen, mich auch aus Dankbarkeit für Kinder einzusetzen.

Sehen Sie Künstler und Menschen, die im öffentlichen Leben stehen, in der Pflicht sich zu engagieren?

Michaela May: Als Person des öffentlichen Interesses habe ich die Chance und das Glück etwas zu bewirken. Offensichtlich hilft es enorm, wenn ein bekanntes Gesicht mit seinem Namen für eine Sache einsteht. Deshalb nutze ich meine Prominenz, um zum Beispiel die SOS-Kinderdörfer zu unterstützen. Ich stehe für diese Organisation mit meinem Namen und das schafft Vertrauen bei potenziellen Spendern.

Der Staat oder auch die Staatengemeinschaft hilft in armen Ländern – Warum braucht es da überhaupt die Arbeit von Hilfsorganisationen?

Michaela May: Ich glaube, dass die staatliche Hilfe häufig versagt. Deshalb brauchen wir Organisationen wie SOS-Kinderdörfer, die diese Lücke füllen und Ungerechtigkeiten ausgleichen. Ohne die Initiative von privaten Organisationen gäbe es viele Hilfsangebote ja gar nicht. Die SOS-Kinderdörfer schaffen bessere Lebensbedingungen für viele benachteiligte Kinder, davon konnte ich mich auf mehreren Reisen zu unterschiedlichen SOS-Projekten auf der Welt überzeugen.

Immer wieder hört man Menschen sagen: Die Ganze (Entwicklungs-) Hilfe bringt doch eh nichts. Sie sind in der Welt herumgekommen. Wie sehen Sie das?

Michaela May: Das ist eine billige Ausrede für alle, die nicht gerne abgeben. Und das sind leider ziemlich viele Menschen. Ab den 1980er Jahren in etwa, jeder hatte auf einmal ein Auto, einen Fernseher, einen Zaun um den eigenen Garten, hat die Hilfsbereitschaft der Menschen füreinander nachgelassen – das ist eine traurige Entwicklung! Ich versuche dem etwas entgegenzusetzen! Aufeinander achten, füreinander da sein, leider zählt das immer weniger. Wirtschaftlicher Erfolg kommt heutzutage vor Sozialem. Soziale Berufe sind chronisch unterbezahlt. Wenn Du sagst, Du bist Arzt, dann bist Du wer, wenn Du sagst, Du bist Sozialpädagoge, bist Du niemand – das ist ein Missstand.

Wenn man etwas spendet, dann kommt das sowieso nicht an – Noch so etwas, was man heutzutage oft zu hören bekommt.

Michaela May: Für Spender ist die wichtigste Frage: Kann ich dieser Organisation mein Geld anvertrauen? Kommt das Geld auch wirklich da an, wo es ankommen soll? Die SOS-Kinderdörfer arbeiten da sehr gut. Die setzen Spendengelder sehr zielgerichtet ein und arbeiten extrem transparent.

Was macht die SOS-Kinderdörfer so besonders?

Michaela May: Die leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Das gefällt mir! Die kommen nicht von außen und sagen den Leuten: „Hey, wir wissen alles besser und zeigen euch jetzt mal, wie es geht!“ Die SOS-Kinderdörfer arbeiten nur mit lokalen Mitarbeitern und fördern die Eigeninitiative der Menschen vor Ort.

Michaela May bei einem Besuch eines SOS-Kinderdorfes: "Ich wünsche mir, dass die SOS-Jungen und SOS-Mädchen später rausgehen in die Gesellschaft und das Erlebte an andere Menschen weitergeben." Bild: © SOS-Kinderdörfer weltweit

Ein Hauptanliegen der SOS-Kinderdörfer ist der Erhalt von Familien – Was bedeutet ihnen persönlich Familie?

Michaela May: Familie ist das Wichtigste im Leben. Familie ist die Wurzel allen gesellschaftlichen Zusammenlebens. Erfolg, Geld, Anerkennung verlieren irgendwann an ihrem Stellenwert, die Familie dagegen ist beständig, gibt Dir Halt, Bindung, ist stets zur Stelle, hört Dir zu, gibt Dir Ruhe und Vertrauen. Genauso wichtig im Leben ist nur noch Freundschaft. Freundschaften bringen Stabilität, Wärme, Schutz, Zuneigung. Ihr Dasein kann Menschenleben retten. Freunde kommen gleich nach der Familie und können, wenn es denn sein muss, auch eine Familie ersetzen.

Welche Erziehungstipps würden Sie jungen Vätern und Müttern geben?

Michaela May: Es kommt darauf an, was man erlebt und im Leben gelernt hat. Deshalb gilt die einfache Formel: Was ich über die Erziehung hineingebe, kommt später wieder heraus. Je stabiler, wärmer und kontinuierlicher die Eltern-Kind-Beziehung ist, desto eher werden die Kinder ein ähnliches Verhalten an ihre eigenen Kinder und die Gesellschaft weitergeben. Mein Tipp: Lebt euren Kindern vor, liebevoll, freundlich und respektvoll im Umgang mit anderen Menschen zu sein!

Sie haben selbst eine große Familie – Wann sind Sie zum letzten Mal mit allen an einem Tisch gesessen?

Michaela May: Gerade erst– zur Hochzeit meiner Tochter in Memphis. Meine Kinder sind in alle Welt verstreut, aber wir versuchen, immer an Weihnachten, auch an Ostern und an Geburtstagen zusammenzukommen. Familie ist Heimat! Egal, wo das ist!

Besteht bei Ihnen noch die Hoffnung für eine Zweitkarriere als SOS-Kinderdorf-Mutter? Immerhin haben Sie trotz früher Erfolge Erzieherin gelernt.

Michaela May: Gute Frage. Ich wäre bestimmt nicht schlecht darin, ich kann das – aber andere können das besser. Ich habe einen riesigen Respekt vor den SOS-Kinderdorf-Müttern. Und ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass ich die nötige Stabilität aufbringen würde, die es braucht, um sechs, sieben, in Afrika gar manchmal zehn Kinder aufzuziehen. Ich bin ein stückweit auch Egomane, das bringt der Beruf mit sich. Als SOS-Kinderdorf-Mutter musst du dich voll und ganz den Kindern widmen. Da bleibt nicht viel Zeit nebenher sich selbst zu verwirklichen: zum Malen zum Beispiel, zum Theaterspielen oder Musizieren. Für mich sind diese Frauen Heldinnen!

Die SOS-Kinderdörfer werden bald 70 Jahre alt – Was wünschen Sie denen?

Michaela May: Ich wünsche mir, dass die SOS-Jungen und SOS-Mädchen später rausgehen in die Gesellschaft und das Erlebte an andere Menschen weitergeben. Und dass sie immer wieder zu ihren SOS-Familien zurückkehren. Meine Kinder sind jetzt 36 und 30 Jahre alt und noch immer suchen sie mich auf, wenn sie Probleme haben. Ich sage immer: Große Kinder große Probleme, kleine Kinder kleine Probleme – was zählt, ist die Familie, das Zentrum, das alles zusammenhält.

Und Sie werden bald 67 Jahre alt – Was wünschen Sie sich als Schauspielerin? Und was wünschen Sie sich privat?

Michaela May: Ich hoffe, dass meine Haltbarkeitsdauer als Schauspielerin noch etwas anhält und ich weiterhin genug gute Drehbücher angeboten bekomme. Ach ja, und für meine Familie wünsche ich mir, dass der Zusammenhalt so bleibt wie er ist und wir uns vielleicht sogar noch vergrößern.

Das Interview wurde geführt von Boris Breyer, Stellvertretender Pressesprecher Medien- und Öffentlichkeitsarbeit SOS-Kinderdörfer weltweit

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