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Persönliches Engagement für eine Welt ohne Hunger

21. Dezember 2018 | Interview
Seit Jahren ist Mathias Mogge in den Projekten unterwegs. Dort bekommt er die Auswirkungen des Klimawandels hautnah mit, aber auch die Dankbarkeit der Menschen gegenüber der Arbeit der Welthungerhilfe. Foto: © Welthungerhilfe

Interview mit Mathias Mogge, Geschäftsführer der Stiftung Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland. Ihr klares Ziel ist die Beendigung des Hungers in den rund 40 Ländern, in denen sie arbeitet. Die Vision der Welthungerhilfe ist eine Welt, in der alle Menschen die Chance haben, ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde und Gerechtigkeit wahrzunehmen, frei von Hunger und Armut.

Herr Mogge, seit September dieses Jahres sind Sie Generalsekretär des Vereins der Welthungerhilfe und Geschäftsführer der Stiftung Welthungerhilfe. durch Ihre über zwanzigjährige Arbeit für die Welthungerhilfe im In- und Ausland sind Sie der Organisation schon lange verbunden. Warum sind Sie ihr seit so vielen Jahren treu?

Mathias Mogge: Ich schätze sehr das engagierte und professionelle Arbeiten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit. Uns ist enorm daran gelegen, eine größtmögliche Wirkung für die Menschen in unseren Projekten zu erreichen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir regelmäßig vor unseren 

Gebern und Spenderinnen Rechenschaft über unser Tun ablegen müssen. Natürlich läuft nicht immer alles wie geplant in unseren Projekten. Aber wir ermutigen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, offen über Schwierigkeiten zu reden. Denn auf diese Weise, können schnell Korrekturen in der Projektarbeit vorgenommen werden und wiederkehrende Fehler werden vermieden. Für eine erfolgreiche Arbeit ist es wichtig, den Wissensaustausch zwischen unseren international tätigen Kolleginnen und Kollegen zu fördern. Nur so können innovative Ideen weltweit und bestmöglich zum Einsatz kommen. Was uns alle eint, ist das Ziel den Hunger in den Ländern, in denen wir tätig sind, nachhaltig zu verringern. Dieses Ziel treibt mich nach wie vor an und motiviert mich jeden Tag aufs Neue.

Wie steht es derzeit denn um den Hunger in der Welt?

Mathias Mogge: Unser aktueller Welthunger-Index zeigt, dass es Licht und Schatten gibt. Auf der einen Seite gibt es große Fortschritte, denn weltweit hat sich in den letzten 20 Jahren z.B. die Kindersterblichkeit halbiert. Es gibt allerdings große regionale Unterschiede. Während sich die Hungersituation in einigen Regionen signifikant verbessert hat, sind Verbesserungen in 

vielen Ländern Südasiens und Afrika südlich der Sahara bisher nicht zufriedenstellend. Die Zahl der Hungernden ist weltweit auf 821 Millionen gestiegen. Häufig sind bewaffnete Konflikte, Klimawandel und schlechte Regierungsführung die Ursachen dafür, dass Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren und auf externe Hilfe angewiesen sind. Aber diese Fakten zeigen mir, wie notwendig unsere Arbeit ist.

Sie sagen, auch der Klimawandel lässt viele Menschen hungern. Können Sie dafür ein Beispiel geben? 

Mathias Mogge: Diesen Sommer reiste ich nach Somaliland. Kurz vor meiner Ankunft fegte der Zyklon Sagar über das kleine Land. Die Menschen, die durch eine dreijährige Dürre bereits extrem geschwächt waren, verloren nun weitere tausende Tiere. Sie bilden häufig die Lebensgrundlage der Menschen. Aber nicht nur das: Die Wucht des Wirbelsturms zerstörte große Teile des ohnehin rar vorhandenen Ackerlandes. Das war eine sehr bedrückende Lage, die ich dort vorfand. Stetig zunehmende Naturereignisse wie dieser Zyklon, sind für mich direkte Folgen des Klimawandels.

Wie können Sie der Bevölkerung helfen und sie gegen die Auswirkungen des Klimawandels wappnen? 

Mathias Mogge: Neben der Soforthilfe im Katastrophenfall helfen wir auch langfristig, um die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung zu erhöhen. In Somaliland zum Beispiel installieren wir Flachbrunnen, bauen Bewässerungsanlagen wieder auf und errichten Schutzwälle, damit lebenswichtige Ackerfläche nicht so schnell zerstört werden kann. Ein anderes Beispiel kommt aus der Region Karamoja im Nordosten Ugandas. Uganda ist – wie der Rest Ostafrikas – stark von der großen Dürre der letzten Jahre betroffen. Der Ernährungszustand der Bevölkerung hat sich dadurch extrem verschlechtert. Als Gegenmaßnahme treiben wir dort seit 2016 den Anbau der Straucherbse voran. Diese ausdauernde, trockenheitstolerante und obendrein nahrhafte Hülsenfrucht wächst auf kargen und trockenen Böden. Sogar ihre eiweißhaltigen Blätter können im gekochten Zustand ähnlich wie Spinat verzehrt werden. Diese Nutzpflanze war bekannt und wir fördern allerdings den vermehrten Anbau dieser wiederentdeckten Nahrungsquelle. Damit wird die Region gestärkt und kann den Auswirkungen des Klimawandels besser begegnen.

Das hört sich nach viel Arbeit an. Schaffen Sie das alleine und aus eigener Kraft? 

Mathias Mogge: Nein, dafür brauchen wir starke Partner. In vielen unserer Projektländer arbeiten wir über Jahre hinweg mit verlässlichen Partnerorganisationen zusammen, die die Sitten und Bräuche sowie die Sprache der Menschen kennen und hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung haben. Nur so können wir seit 55 Jahren gemeinsam mit den Menschen die Projekte entwickeln und den Grundstein für wirksame Ansätze legen. In Deutschland und Europa benötigen wir dafür private Spenderinnen, Unternehmen, öffentliche Geber und Stifter die uns ihr Geld anvertrauen. Unsere langjährigen Unterstützer sind überzeugt von unserer Arbeit und stehen uns bei diesem Vorhaben zur Seite. Seit nunmehr 20 Jahren bieten wir neben der klassischen Spende auch Stiftungslösungen bei der Stiftung Welthungerhilfe an. Mit dem Ertrag des Stiftungskapitals wird langfristig über Jahrzehnte hinweg eine kalkulierbare Förderung unserer Projektarbeit garantiert.

Das Interview wurde geführt von Katharina Brosch.

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