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Stiftungen sind Brückenbauer von der Gegenwart in die Zukunft

03. Mai 2018 | Interview

Mit ihrer erfolgreichen Kooperation gehen die BW-Bank und  die Econnext GmbH neue Wege im Bankenwesen. Wie wichtig Nachhaltigkeit heute und in Zukunft ist, dass sich Tradition und Innovation positiv ergänzen und dass Wirtschaftlichkeit und verantwortungsvolles Handeln keinen Widerspruch darstellen, erläutern Thomas Rosenfeld, Mitglied des Vorstands der Baden-Württembergischen Bank, sowie Mirjam Schwink, Leiterin Stiftungsmanagement der Baden-Württembergischen Bank, und Willem  van Agtmael, Unternehmer und Gesellschafter der Econnext GmbH, im Gespräch mit dem Stiftungsführer.

Herr Rosenfeld, in unserer schnelllebigen Zeit nehmen Werte wie Tradition, Kontinuität und Nachhaltigkeit einen immer größeren Stellenwert ein. Inwieweit steht auch Ihr Institut für diese Grundsätze?

Thomas Rosenfeld: Die BW-Bank blickt auf eine lange Geschichte zurück. Als Teil des LBBW-Konzerns feiert sie 2018 ihr 200-Jahr-Jubiläum. Eine so lange Zeit beständig und erfolgreich am Markt zu bestehen gelingt nur, wenn man nachhaltig arbeitet und stets ein leistungsstarker und verlässlicher Partner ist. Dies heißt jedoch nicht, nur auf Traditionen und Bewährtes zu setzen. Es bedeutet auch, sich kontinuierlich mit den Marktgegebenheiten und Kundenbedürfnissen weiterzuentwickeln. So wollen wir stetig die aktuellen Entwicklungen in der Bankenbranche und der Realwirtschaft nicht nur begleiten, sondern mit unseren Produkten und Strategien aktiv mitgestalten, um für unsere Kunden und die Gesellschaft nachhaltigen Mehrwert zu schaffen.

Inwiefern sehen Sie ihr Haus den Stiftungen mit Ihrem gesellschaftlich vorbildlichen Engagement in besonderem Maße verbunden? 

Thomas Rosenfeld: Wir sind ein öffentlich-rechtliches Institut, das auch soziale, ökologische, kulturelle und weitere gemeinnützige Vorhaben unterstützt. Dazu zählen zum einen die vielfältigen Förderaktivitäten unserer eigenen Stiftung in ganz Baden-Württemberg. Seit ihrer Gründung im Jahr 1984 wurden mehr als 10 000 Vorhaben mit mehr als 25 Mio. Euro gefördert. Zum anderen bieten wir seit vielen Jahren für Stiftungsverantwortliche Plattformen der Vernetzung an. Hier denke ich an unsere Medien wie Stiftungsmagazin, Stiftungsportal und unsere Veranstaltungen anlässlich der Deutschen StiftungsTage. Gerne lade ich Sie, liebe Leser, herzlich am 17. Mai nach Nürnberg ein. 

Welche Bedeutung hat die Verwaltung von Stiftungsvermögen und die Beratung von Stiftungen für Ihr Institut?   

Thomas Rosenfeld: Mit 750 Stiftungen und 4,5 Mrd. Euro verwaltetem Stiftungsvermögen zählen wir in diesem Segment zu den führenden Bankhäusern Deutschlands. In unserer Geschäftspolitik gibt es ein klares Bekenntnis und zeitgemäße Kompetenz in Beratung und Begleitung von Stiftungen. 

Zählen mehrheitlich Stiftungen aus dem Raum Stuttgart bzw. aus Baden-Württemberg zu Ihren Kunden oder wirken Sie auch über die Landesgrenzen hinaus? 

Thomas Rosenfeld: Als im Jahr 2000 eine Renaissance im Stiftungswesen begann, kamen unsere Stiftungskunden fast ausschließlich aus Baden-Württemberg. Seit einiger Zeit betreuen wir jedoch zahlreiche Stiftungen deutschlandweit. Die Bekanntheit der Marke BWBank als Kundenbank steigt wegen unserer Beratungskompetenz im Privaten Vermögensmanagement und unserer Wachstumsstrategie kontinuierlich. Wir erhielten zum fünften Mal seit 2011 im Stiftungsvermögen-Ranking der Fachzeitschrift FUCHS-Report die Auszeichnung „Top-Anbieter“, belegten unter 55 Vermögensverwaltern den 1. Platz. Diese Auszeichnungen bestätigen, dass wir Stiftungen mit ihren besonderen Anforderungen und Bedürfnissen in der Vermögensanlage umfassend und ganzheitlich beraten. 

Bei der derzeitigen Kapitalmarktlage stoßen Stiftungen immer wieder an ihre Grenzen, denn sie sind vom Gesetzgeber angehalten, ihr Vermögen sowohl sicher als auch rentabel anzulegen. Frau Schwink, wie unterstützen Sie im Stiftungsmanagement Ihre Kunden dabei, beide Forderungen zu erfüllen? 

Mirjam Schwink: Erfahrung, aber auch Mut sind gefordert. Stiftungsgründer wollen ja Gutes tun, und das am liebsten bis in alle Ewigkeit. Geht man allerdings davon aus, dass das aktuelle Niedrigzinsumfeld noch andauert, kann eine nur auf konservative Rentenanlagen fokussierte Stiftung dramatisch an Wirkungskraft verlieren. Entscheidungen, die eine Änderung der Anlagestrategie beinhalten, sollten auf Basis einer transparenten Grundlage getroffen werden. Eine bewährte Entscheidungshilfe dabei ist eine Stiftungsplanung, die Ausschüttung und Kapitalerhalt in verschiedenen Szenarien für das nächste Jahrzehnt simuliert. Diese planerische Herangehensweise verschafft Sicherheit, um für eine veränderte Anlagestrategie den entsprechenden Rahmen zu bilden.

Was ist aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche Anlagestrategie für Stiftungen essenziell? 

Mirjam Schwink: Die Anlagestrategie ist im Dialog mit den Stiftungsverantwortlichen zu entwickeln. Sie basiert auf Planung der erwarteten Einnahmen und Ausgaben. Aus dieser Budgetplanung lässt sich die jeweilige Renditeanforderung ableiten, die natürlich im Kontext mit der objektiven Risikotragfähigkeit der Stiftung zu sehen ist. Das individuelle Rendite- / Risikoprofil kann im aktuellen Kapitalmarktumfeld eine Anlagegrenze von bis zu 50 Prozent Aktien ergeben. Zugleich ist entscheidend, wie die Stiftungsverantwortlichen nach ihrer Risikopräferenz mit der Zunahme der Schwankungsintensität umgehen. Im Zweifel ist die Anlagegrenze bei Aktien geringer.

Gibt es Anlageformen, die speziell auf Stiftungen zugeschnitten sind?

Mirjam Schwink: Ja, die so genannten Stiftungsfonds. Sie werden extra für die besonderen Bedürfnisse von Stiftungen aufgelegt, um das Kapital zu erhalten und angemessene Erträge zu erwirtschaften. Für Stiftungsverantwortliche ist allerdings dabei unverzichtbar, sich die Fondsstrategie genau anzusehen und nachzuvollziehen, um die richtige Entscheidung für die Anlage zu treffen. Diese Stiftungsfonds werden außerdem durch die Reform des Investmentsteuergesetzes seit Jahresbeginn steuerlich benachteiligt – es sei denn, der Fondsanbieter hat rechtzeitig reagiert. Der Stiftungsfonds unserer Bank bietet neben den stiftungsspezifischen Zielsetzungen auch steuerliche Vorteile im Hinblick auf die neuen Regelungen des Investmentsteuerreformgesetzes. Da nur Anleger, die steuerbefreit sind, in den Fonds investieren können, entfällt der im gesetzlichen Rahmen eingeführte Körperschaftsteuerabzug auf Fondsebene. 

Was genau ist unter "Wirkungsorientiertem Investieren" zu verstehen? 

Mirjam Schwink: Wirkung ist heute im Stiftungsbereich Mittelpunkt und Schwerpunkt der Konzepte. Dies gilt nicht nur für die Projekt- und Förderarbeit, sondern auch für die Vermögensanlage. Es bedeutet, dass mit der Investition des Stiftungsvermögens neben der finanziellen Rendite ein gesellschaftlicher Nutzen zu erzielen ist. Stiftungen übernehmen also bereits über ihre Vermögensanlage immer häufiger Verantwortung, indem sie eben wirkungsorientiert investieren. 

Inwieweit wird die BW-Bank diesem Anspruch gerecht? 

Mirjam Schwink: Im Hinblick auf die Wirkungsorientierung in der Anlage des Stiftungsvermögens gehen wir in Zusammenarbeit mit unabhängigen Experten der ESG Screen 17 GmbH, einer Tochter der Econnext GmbH, einen neuen Weg. Daten und Einschätzungen mehrerer renommierter Ratingagenturen und anderer Quellen (NGOs, Vereinte Nationen etc.) werden von ESG Screen 17 von nahezu allen weltweit existierenden Ländern und Unternehmen kombiniert, aufbereitet und uns zur Verfügung gestellt. Ein besonderer Maßstab sind die 17 von den Vereinten Nationen in 2015 festgelegten „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ („Sustainable Development Goals“, SDGs). Bei der Auswahl der Einzelanlagen werden diese Ziele berücksichtigt; ergänzend werden bestimmte Branchen wie die Tabakindustrie, Glücksspiel oder Rüstungsunternehmen grundsätzlich ausgeschlossen.

Herr van Agtmael, Sie sind Gesellschafter der Econnext GmbH, einer Holding mit dem Fokus auf der Gründung und dem Betrieb ausschließlich nachhaltiger Unternehmen. Was waren Ihre Beweggründe, sich an einem auf Nachhaltigkeit angelegten Unternehmen zu beteiligen? 

Willem van Agtmael: Die Gründe sind vielfältig. Es geht unter anderem darum, künftigen Generationen eine Welt zu hinterlassen, die lebenswert ist. Bei der Betrachtung der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN sieht man viele Dinge, die nicht in Ordnung sind und wo es gilt, durch gezielte Beiträge eine Verbesserung zu erzielen. Dies ist eine riesige Aufgabe. Der Kapitalbedarf zur Erreichung dieser Ziele bis 2030 beträgt mehrere tausend Milliarden Dollar pro Jahr. Mir wurde klar, dass Kapital in dieser Größenordnung nicht aus Spenden kommen kann, sondern dass man hier nur mit sehr professionellem Herangehen Erfolge erzielen kann. Ich habe gerade eine unwahrscheinlich schöne Reise mit meiner Frau in die Antarktis gemacht. Eines der 17 Ziele ist ja Klimaschutz (Nr. 13). Ich habe vor Ort gesehen und, was noch wichtiger ist, gespürt, wie notwendig es ist, dass wir uns in diese Richtung anstrengen. Das Erleben dieser Unmittelbarkeit schafft tiefe Emotionen.

Warum gerade Econnext?  

Willem van Agtmael: Ich habe bei Econnext Ideen vorgefunden, wie man professionell an diese Thematik herangehen kann. Professionell heißt für mich, die Dinge mit unternehmerischem Geist und durchaus auch ökonomisch zu betrachten. Außerdem habe ich mich sehr gefreut, weitere Gesellschafter vorzufinden wie Brigitte Mohn, Nathalie von Siemens oder Stephen Brenninkmeijer – alles renomm ierte Namen, bei denen mir klar war, dass sie diese Thematik sehr ernsthaft betrachten. Das gesamte Bild hat sich als außerordentlich positiv dargestellt.

Die BW-Bank hat sich für eine Kooperation mit der Econnext entschieden, weil sie vom Ansatz der auf die 17 SDGs ausgerichteten Nachhaltigkeit überzeugt ist. Gibt es überhaupt den einen ethischen Filter? 

Willem van Agtmael: Die BW-Bank arbeitet mit einer Tochter der Econnext, der ESG Screen 17 GmbH zusammen. Screen 17 erstellt für die Bank eine White List, worin sie Tools haben, um in den Portfolios zu screenen, welche Angebote tatsächlich zu den Nachhaltigkeitszielen beitragen. Es wird im positiven wie auch im negativen Sinn geprüft. Für jedes Rating braucht man Basisdaten, Informationen und Details, die aufgrund verschiedener ESG-Datenanbieter für jedes Unternehmen eine individuelle Bewertung ermitteln. Dieser benennt dann das Nachhaltigkeitsprofil des Unternehmens in Bezug auf die UN Nachhaltigkeitsziele, woraus ein Rating entsteht. Natürlich gibt es keine Garantie, dass alles ausschließlich richtig ist. Aber das Heranziehen einer größeren Datenbasis gibt mehr Sicherheit, als wenn man diese Daten nicht hätte.

Worin liegen die Herausforderungen und auch die Chancen in der Zusammenarbeit eines Traditionsunternehmens wie der BW-Bank mit einem Start-up wie Screen 17? 

Willem van Agtmael: Ich bin ein Mensch, der immer in Chancen denkt. Die Kooperation ist meines Erachtens sehr gut geeignet, um gute Ideen, die in der Start-up-Szene entstehen, mit der Wirtschaft zu verlinken. Wir sehen sehr stark, dass es bei einer Verlinkung von traditionellen Unternehmungen und Start-ups, die ganz modern, ganz anders, ganz weit nach vorne denken, zu einer Befruchtung kommt. Unsere Kooperation bedient den Trend der Nachhaltigkeit auch in der Finanzwirtschaft. Traditionelle Unternehmen wie die BW-Bank haben sehr etablierte Prozesse und Vorgaben, sodass es häufig schwer ist, schnelle und innovative Ideen umzusetzen. Durch die Verlinkung mit der Start-up-Szene mit einer Company wie Screen 17 ist dies möglich. Die Start-up-Szene sehe ich immer wie eine Art Schnellboot. Es ist nicht immer nur richtig, was sie machen, aber es ist besser, dass etwas gemacht wird und dass Geschwindigkeit aufgenommen wird. Diese Kooperationen sind gut geeignet, Themen wie Nachhaltigkeit und vor allem die Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele voranzubringen.

Herr Rosenfeld, können Sie unseren Lesern abschließend sagen, worin vor allem auch für Stiftungen die Beweggründe liegen können, in nachhaltige Geldanlagen zu investieren? 

Thomas Rosenfeld: Gerade Nachhaltigkeit hat für Stiftungen einen besonderen Stellenwert. Zum einen in der dauerhaften Erfüllung ihrer Stiftungsziele, zum anderen nehmen sie im Bereich nachhaltiger Anlagen definitiv eine Vorreiterrolle  ein. Schon bevor es zum medialen Thema wurde, war es vielen Stiftungen wichtig, einen Beitrag zur nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung durch eine entsprechende Ausrichtung ihrer Finanzanlagen zu leisten. Nachhaltiges Investieren, gute Performance und Werterhaltung schließen einander dabei nicht aus. Unser Konzept in der Vermögensverwaltung kann mit einem nachhaltigen Ansatz kombiniert werden. Dieses Modell aus Wertstrategie und Nachhaltigkeit erlaubt, dass Stiftungen ihr Vermögen erhalten und angemessene Erträge erwirtschaften, um ihre Stiftungsziele dauerhaft zu erfüllen. Gleichzeitig wird dabei in verantwortungsbewusste Unternehmen investiert, die in ökologischen und sozialen Belangen eine Vorreiterrolle einnehmen. Damit leisten Stiftungen einen doppelten Beitrag für den Bestand unserer Zivilgesellschaft und sind Brückenbauer von der Gegenwart in die Zukunft.

Das Interview wurde geführt von Karen Krüger.

Das vollständige Interview finden Sie auch unter www.LBBW.de/Perspektiven

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