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Unser Ziel: Eine Welt ohne Hunger!

06. August 2018 | Interview
Dr. Till Wahnbaeck, Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe

Interview mit Dr. Till Wahnbaeck: Stiftungsführer Magazin Stuttgart / Baden-Württemberg

Herr Dr. Wahnbaeck, Sie sind Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe, einer der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland, und Geschäftsführer der Stiftung Welthungerhilfe. Ihr Klares Ziel ist die Beendigung des Hungers in den Rund 40 Ländern, in denen Sie Arbeiten. Die Vision der Welthungerhilfe ist eine Welt, in der alle Menschen die Chance haben, ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde und Gerechtigkeit Wahrzunehmen, frei von Hunger und Armut.

In den letzten Jahren haben Sie viele Projekte der Welthungerhilfe besucht und sich von der Situation und der Arbeit vor Ort ein Bild gemacht. Wie steht es denn um den Hunger in der Welt?

Dr. Till Wahnbaeck: Die Situation ist weiterhin ernst. Immer noch hungern 815 Millionen Menschen weltweit. Alle 10 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen von Unterernährung. Häufig sind Kriege, Klimawandel und Korruption die Ursache dafür, dass Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren und auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Wie wirkt sich der Klimawandel denn auf die Arbeit der Welthungerhilfe aus?

Dr. Till Wahnbaeck: Besonders seit den letzten drei Jahren leiden die Menschen in Ostafrika extrem unter den Folgen des Klimawandels. Die laut Vereinten Nationen schlimmste Dürre seit 60 Jahren raubt den Menschen ihre Lebensgrundlage. In der Afar-Region im Norden Äthiopiens sind wegen der langanhaltenden Dürre die Wasserstellen für das Vieh versiegt. Ihre Tiere – und damit ihre Existenzgrundlage – sterben den Hirten unter den Händen weg. Auch ihre Kinder sind stark unterernährt. 

Und trotz des ganzen Elends besteht ein bewundernswerter Zusammenhalt unter den Menschen. Die, die wenig haben, teilen mit denen, die sich in einer noch misslicheren Lage befinden. Das hat mich stark beeindruckt, als ich die Afar-Region 2016 besuchte. Die Welthungerhilfe leistet in der aktuellen Krisensituation Nothilfe und versorgt die Menschen mit dem Notwendigsten zum Überleben. Gleichzeitig werden die Menschen besser auf Dürreperioden vorbereitet. 

Wie können Sie die Bevölkerung denn gegen den Klimawandel wappnen?

Dr. Till Wahnbaeck: Hierzu ein Beispiel aus Uganda: Die Region Karamoja im Nordosten des Landes ist – wie der Rest Ostafrikas – seit den letzten drei Jahren ebenfalls von starker Dürre betroffen, was den Ernährungszustand der Bevölkerung extrem verschlechtert hat. Als Gegenmaßnahme treiben wir dort seit 2016 den Anbau der Straucherbse voran. Diese ausdauernde, trockenheitstolerante und obendrein nahrhafte Hülsenfrucht wächst auf kargen und trockenen Böden. Sogar ihre eiweißhaltigen Blätter können im gekochten Zustand ähnlich wie Spinat verzehrt werden. Diese Nutzpflanze war bekannt und wir forcieren den vermehrten Anbau dieser wiederentdeckten Nahrungsquelle. Damit wird die Region gestärkt und kann den Auswirkungen des Klimawandels besser begegnen.

Das heißt, trotz der vielen Herausforderungen schaffen Sie es, motiviert weiterzuarbeiten?

Dr. Till Wahnbaeck: Wir dürfen uns die Welt nicht schönmalen. Aber gleichzeitig gibt es auch enorme Erfolge: Die Zahl der Hungernden hat sich in den letzten 30 Jahren von 20 Prozent auf unter 11 Prozent halbiert. Auch die Kindersterblichkeit ist seit 1960 beachtlich gesunken; nämlich von 22 Prozent auf knapp 5 Prozent im Jahr 2013. Wir verbessern mit unseren Projekten nachhaltig die Lebensbedingungen der Menschen. Und das treibt uns täglich an! Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist die Abschaffung des Hungers zum Greifen nah. Die Zahlen der letzten Jahrzehnte zeigen das in beeindruckender Klarheit.

Schaffen Sie das alleine und aus eigener Kraft?

Dr. Till Wahnbaeck: Nein, dafür brauchen wir starke Partner. In unseren Projektländern arbeiten wir über Jahre hinweg mit verlässlichen Partnerorganisationen zusammen, die die Sitten und Bräuche sowie die Sprache der Menschen kennen und hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung haben. Nur so können wir seit 55 Jahren gemeinsam mit den Menschen die Projekte entwickeln und den Grundstein für neue ökologische und innovative Ansätze legen. In Deutschland und Europa benötigen wir dafür private Spenderinnen*, Unternehmen, öffentliche Geber und Stifter, die uns ihr Geld anvertrauen. Unsere langjährigen Unterstützer sind überzeugt von unserer Arbeit und stehen uns bei diesem Vorhaben zur Seite. Seit nunmehr 20 Jahren bieten wir neben der klassischen Spende auch Stiftungslösungen bei der Stiftung Welthungerhilfe an. Mit dem Ertrag des Stiftungskapitals wird langfristig über Jahrzehnte hinweg eine kalkulierbare Förderung unserer Projektarbeit garantiert.

Das Interview wurde geführt von Katharina Brosch.

*Die Welthungerhilfe wird von Menschen unterstützt, unabhängig von ihrer sexuellen Identität. Jede Person soll sich bei den folgenden Formulierungen gleichermaßen angesprochen fühlen.

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