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Mittelbeschaffung für steuerbegünstigte Körperschaften und steuerliche Hürden

25. Februar 2019 | Recht & Steuern

Stiftungsforum Baden-Württemberg 2019

Die Mittelbeschaffung nimmt für gemeinnützige Körperschaften einen immer bedeutenderen Teil ihrer Tätigkeit ein. Dabei ist vor allem auch der steuerlichen Beurteilung der Vorgänge unbedingt ausreichende Beachtung zu schenken, damit die gemeinnützigen Körperschaften Vorgänge nicht irrtümlich falsch beurteilen und sich hieraus nachteilige Folgen ergeben. Zu unterscheiden ist dabei zwischen Spende, Sponsoring und Crowdfunding mit jeweils eigenen Vorgaben für die steuerliche Bewertung.

Spenden

Eine Spende, die freiwillig und ohne Gegenleistung hingegeben wird, ist und bleibt der wichtigste Hebel der Mittelbeschaffung. Der Gesetzgeber hat dazu in den letzten Jahren den Spendenabzug erheblich erweitert. Dennoch hat die gemeinnützige Körperschaft Einschränkungen zu beachten: z. B. dürfen Spenden nicht im „steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb“ verwendet werden. Weiter sind Besonderheiten bei den Aufwandsspenden zu berücksichtigen, d. h. bei den Spenden, die durch einen Verzicht auf einen vertraglichen Anspruch entstehen. Ein Verstoß würde die Veranlasserhaftung nach § 10b Abs. 4 EStG in Höhe von 30 Prozent des gespendeten Betrages auslösen. 

Sponsoring

Beim Sponsoring geht es im Unterschied zur Spende nicht nur darum „Gutes zu tun“ sondern auch „darüber zu reden“. Im Bereich des Sponsorings werden Geld oder geldwerte Vorteile durch Unternehmen im sportlichen, kulturellen, kirchlichen, wissenschaftlichen, sozialen oder ähnlich bedeutsamen gesellschaftspolitischen Bereichen zur Verfügung gestellt, wobei das Sponsoring auf Leistung und Gegenleistung ausgerichtet ist (Förderung verbunden mit Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit für den Unternehmen). Für die Zwecke der körperschaftsteuerlichen Behandlung des Sponsors kommt es insbesondere darauf an, mit welcher Motivation dieser das Sponsoring vornimmt, d. h. ob im Vordergrund ein betriebliches Interesse steht oder private Gründe den Ausschlag geben. Davon hängt ab, ob eine Spende oder eine Betriebsausgabe vorliegt bzw. ob bei privat veranlassten Zahlungen gegebenenfalls eine verdeckte Gewinnausschüttung bzw. eine Entnahme vorliegt. Für die steuerliche Behandlung bei der gesponserten Körperschaft kommt es hingegen darauf an, wie die Werbemaßnahme ausgestaltet ist. Einnahmen der nichtsteuerbaren Vermögensverwaltung liegen vor, wenn die gemeinnützige Körperschaft nicht aktiv an der Werbemaßnahme mitwirkt. Dies ist der Fall, wenn der Sponsor in seinen Werbemaßnahmen lediglich auf die Förderung der Stiftung hinweist oder die geförderte Körperschaft entsprechende Förderhinweise vornimmt. In diesen körperschaftsteuerfreien Bereich ist auch die Namensrechtsverpachtung einzuordnen, z. B. die Benennung einzelner Räume von Museen oder ganzer Sportstadien (Beispiel: Mercedes-Benz Arena, Metzler Saal Staatsgalerie Stuttgart). In heutiger Zeit stehen im Bereich des Sponsorings nicht nur die Geldzahlung im Mittelpunkt, sondern auch z. B. die kostenlose Überlassung von Fahrzeugen für die tägliche Arbeit gemeinnütziger Organisationen („Non-Cash-Assistance“).

Crowdfunding

Als neue Form der Mittelwerbung hat sich das Crowdfunding etabliert. Typisch ist dabei, dass gemeinnützigen Organisationen durch eine Internet-Plattform die Möglichkeit gewährt wird, um Mittel für ihre Projekte zu werben. Möglich sind in diesem Bereich sowohl Crowdfunding-Spenden als auch Crowdfunding-Sponsoring. Bei einer freiwilligen Gabe ohne Gegenleistung liegt eine Crowdfunding-Spende vor. Ist der WebseitenInhaber oder eine dahinterstehenden Organisation eine steuerbegünstigte Organisation, kann eine Spendenbescheinigung ausgestellt werden. 

Beim Crowdfunding wird aber oft mit Anreizen geworben, so dass aus steuerlicher Sicht darauf zu achten ist, ob nur ein „Dankeschön“ vorliegt (z. B. Dankesbrief, Bericht über Projekt) oder eine weitergehende Leistung. Nur im ersten Fall ist von einer Spende auszugehen.

Werden weitergehende Leistungen (z. B. Merchandising-Artikel, Eintrittskarten) als Gegenleistung ausgegeben, liegt aus Sicht der gemeinnützigen Körperschaft keine Spende vor, sondern eine (steuerpflichtige) Einnahme; es kann keine Spendenbescheinigung ausgestellt werden. Auch die Gewährung von Vorteilen, die Dritte tragen, führen dazu, dass aus steuerlicher Sicht keine Spende mehr vorliegt. Dies betrifft z. B. Wertgutscheine, die durch Unternehmen zur Verfügung gestellt werden und mit denen der Unterstützer verbilligte Leistungen erhält. Bei der gemeinnützigen Körperschaft muss auch unterscheiden werden, ob die erzielten Einnahmen in einem Zweckbetrieb anfallen oder im steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Werden z. B. von einem Sportverein Trainerstunden angeboten, kann von einem Zweckbetrieb ausgegangen werden. Wird aber z. B. damit geworben, dass ein Treffen mit einem prominenten Sportler erfolgt, ist von einem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb mit entsprechenden steuerlichen Folgen auszugehen.

Für mehr Informationen zu diesem Thema besuchen Sie gerne auch das 1. Stiftungsforum Baden-Württemberg am 27. Februar 2019

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