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Spendenabzug bei der Übertragung von Vermögen auf gemeinnützige Stiftungen

28. Juni 2018 | Recht & Steuern

Sofern Vermögen auf gemeinnützige Stiftungen übertragen werden sollen, kommt neben dem Spendenabzug nach § 10b Abs. 1 EStG in Höhe von

  • 20 v. H. des Gesamtbetrags der Einkünfte bzw. alternativ
  • vier von Tausend der Umsätze, Löhne und Gehälter

ein zusätzlicher Abzugsbetrag nach § 10b Abs. 1a EStG bei Zuwendungen in den Vermögensstock einer neu gegründeten oder bereits bestehenden Stiftungen folgendermaßen in Betracht:

  • bis zu 1.000.000 EUR beliebig verteilbar innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren

Bei Ehegatten kann entsprechend ein Betrag in Höhe von bis zu 2.000.000 EUR innerhalb des o.g. Zeitraums zum Abzug gebracht werden.

Im Falle der Übertragung von Vermögensgegenständen auf eine gemeinnützige Stiftung ergeben sich für die nachstehenden Sachverhalte folgende Auswirkungen auf den Spendenabzug:

   1. Grundstücke

Für Grundstücke, die einem Betriebsvermögen zugehörig sind, kann zur Vermeidung einer gewinnerhöhenden Entnahme das Buchwertprivileg nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 4 Einkommensteuergesetz (EStG) in Anspruch genommen werden. Die Zuwendung ist in diesem Fall jedoch auf den Buchwert beschränkt, der die Zuwendungshöhe nach § 10b Abs. 3 EStG darstellt.

Sofern eine unentgeltliche Übertragung von Grundstücken des Privatvermögens innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG vorgenommen werden soll, ermittelt sich die Höhe der Zuwendung nach den fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten (§ 10b Abs. 3 Satz 4 EStG).

Erfolgt eine Übertragung außerhalb des Zehnjahreszeitraums ist der gemeine Wert des Grundstücks zum Ansatz nach § 10b Abs. 3 Satz 3 EStG zu bringen.

   2. Kunstgegenstände

Sollten Kunstgegenstände des Betriebsvermögens auf eine Stiftung übertragen werden, ist für diese Vermögensgegenstände auch das Buchwertprivileg nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 4 EStG anzuwenden.

Die Zuwendung an die Stiftung wird nach dem Buchwert zuzüglich der anzusetzenden Umsatzsteuer bemessen. Dies ergibt sich aus § 10b Abs. 3 Satz 2 EStG i.V.m R 10 b . 1 Abs. 1 Satz 4.

Bei der Übertragung von Kunstgegenständen des Privatvermögens wird die Höhe der Zuwendung nach dem gemeinen Wert des Wirtschaftsguts (§ 10b Abs. 3 Satz 3 EStG) bemessen. Dieser Wert sollte durch ein entsprechendes Gutachten eines Sachverständigen bestätigt werden.

   3. Kapitalbeteiligungen

Für eine unentgeltliche Übertragung von Kapitalbeteiligungen (GmbH–Anteile bzw. Aktien) aus dem Betriebsvermögen ist das Buchwertprivileg nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 4 EStG anzuwenden.

Sofern eine unentgeltliche Übertragung von Kapitalbeteiligungen aus dem Privatvermögen an eine Stiftung erfolgen soll, ist aufgrund des fehlenden Veräußerungstatbestandes §§ 17 und 20 EStG nicht anwendbar. Es findet in diesem Fall keine Aufdeckung der stillen Reserven statt, so dass nach § 10b Abs. 3 Sätze 2 und 4 EStG die Zuwendungshöhe auf den Buchwert bzw. die Anschaffungskosten beschränkt ist.

   4. Mitunternehmeranteil an einer Personengesellschaft

Sollte eine unentgeltliche Übertragung eines Mitunternehmeranteils auf eine gemeinnützige Stiftung erfolgen sollte, erzielt der übertragende Mitunternehmer keinen Gewinn, da die Wirtschaftsgüter mit dem Buchwert nach § 6 Abs. 3 Satz 1 EStG zu berücksichtigen sind. Für die Bemessung der Zuwendung nach § 10b EStG ist der Buchwert zu berücksichtigen.

Bei der Übertragung von Mitunternehmeranteilen an gewerblichen Personengesellschaften ist eine eingehende Prüfung der steuerlichen Folgen vorzunehmen.

Christiane Spittler 

DüsseldorfBaker Tilly

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