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Nachhaltig Mehr Wert - Nachhaltige Schwellenländeranleihen

10. Juli 2018 | Vermögen

Nachhaltigkeit rückt immer mehr in das Bewusstsein der Gesellschaft. Bei Anlagen mit überschaubarem Risiko bedrohen niedrige Zinsen die bislang auskömmlichen Renditen mehr und mehr. Existieren für Stiftungen rentable Anlagemöglichkeiten? Die Investition in Emerging-Markets-Bonds oder zu Deutsch in Schwellenländeranleihen unter Berücksichtigung diverser Nachhaltigkeitskriterien stellt aus unserer Sicht eine sinnvolle Lösung dar.

Strategien, deren Investitionen in Schwellenländer zugleich auch ein Nachhaltigkeitslabel besitzen, sind Neuland für den Großteil der Anleger. Klassischerweise wird Nachhaltigkeit nicht in erster Linie mit Emerging Markets assoziiert. Wie lässt sich dieser scheinbare Widerspruch lösen? Neben einzelnen positiven Beispielen wie Costa Rica, zeigt sich mittlerweile ein Trend zu nachhaltigen Schwellenländern.

Wie ist Nachhaltigkeit auf Schwellenländerebene zu verstehen?

Das aufkommende Interesse der Anleger, ihre ethischen Werte in die Vermögensanlage zu integrieren, ließ vor allem seit etwa 1950 einen neuen Markt an sogenannten socially responsible investments, sustainable investments oder zu Deutsch nachhaltigen Anlagen entstehen. Obwohl sich bislang ein Großteil der Anleger dabei auf entwickelte Länder konzentriert, flossen 2013 weltweit über 200 Milliarden Euro an nachhaltigen Geldern in Emerging Markets.

Schwellenländer weisen enormes Entwicklungspotential im Bereich Nachhaltigkeit auf. Während der Begriff Nachhaltigkeit selbst einen hohen Abstraktionsgrad innehat, liegt in Bezug auf Schwellenländer eine weitere starke Differenzierung nach sozialen und politischen Besonderheiten, je nach Land, vor.

Studien ergaben, dass nachhaltige Initiativen besonders in Ländern mit einem schwachen Regierungssystem, beispielsweise bei Korruption, weniger effektiv sind. So werden im Zuge des zunehmenden staatlichen Umdenkens nachhaltige Maßnahmen multiplikativ durch den Staat gestreut.

Darüber hinaus hält sich die verallgemeinerte Befürchtung, dass nachhaltige Ansätze Renditenachteile nach sich ziehen. Analysen zeigen oft das Gegenteil: Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien im Portfoliokontext kann zu einer Verbesserung des Rendite-Risiko-Verhältnisses beitragen. 

Ausgehend von einem globalen Schwellenländerportfolio disqualifizieren Negativkriterien beispielsweise autoritär geführte Länder, die internationale Menschenrechts- und Umweltvereinbarungen nicht anerkennen oder als besonders kriegstreibend eingestuft werden. Das Gleiche gilt für Unternehmen, die sich einer verantwortungsvollen Unternehmensführung entziehen oder in hohem Maß in umstrittenen Geschäftsfeldern wie der Waffenherstellung aktiv sind. Nachdem mit diesem „negative Screening“ grundsätzliche Ausschlüsse getätigt sind, liegt der Fokus auf speziellen ökologischen, sozialen oder geschäftspolitischen Kriterien in einem Best-in-Class-Ansatz.

Wie kann eine solche Strategie aussehen?

Gerade Stiftungen weisen ein komplexes Anforderungsprofil an die Anlage auf. Anlageinstrumente, die sowohl stabile, regelmäßige Erträge generieren als auch ein vergleichsweise niedriges Risiko aufweisen, sind ideal geeignet. Anleihen verbinden diese beiden Charakteristika. Aufgrund des Niedrigzinsniveaus sind konservative Rentenpapiere wie Deutsche Staatsanleihen nicht attraktiv. Emerging Markets bieten hier eine sinnhafte Alternative auf Länderebene, um die Rendite zu steigern. Zudem ist wegen des hohen Entwicklungspotentials von Schwellenländern die Möglichkeit eines nachhaltigen Fortschritts gegeben. Somit wird auch mit dem Investment selbst „Gutes“ getan und nicht nur aus den Erträgen ein gemeinnütziger Zweck verwirklicht – ein Schritt in Richtung im Impact Investing ist möglich.

Die langfristig ausgelegte Strategie sieht eine Partizipation an der Entwicklung globaler Schwellenländer vor. Sie basiert auf vier wesentlichen Faktoren: attraktiver Rendite, fundamentaler Stärke, hoher Liquidität sowie strengen Nachhaltigkeitskriterien. Dabei sorgt ein regelgebundener Anlageprozess, auf Basis entsprechender Datenqualität und -quantität, für einen hohen Transparenzgrad. Die konkrete Titelauswahl erfolgt beispielsweise durch eine Kombination aus strengen Ausschlusskriterien sowie einem Best-in-Class-Ansatz. Jedoch gilt es dabei, den Diversifikationseffekt nicht zu vernachlässigen und das Strategieportfolio breit aufzustellen. Daneben sehen wir ein konsequentes Risikomanagement als geeigneten Begleiter im Selektionsprozess. Viele Stiftungen verankern aus Risikoüberlegungen bereits in ihren Anlagerichtlinien einen Passus, der Investmentgrade-Rating vorschreibt. Auch Währungsrisiken lassen sich, durch strategische Überlegungen wie Investitionen ausschließlich in Hartwährungen und das konsequente  Absichern in Euro, reduzieren.

Das für Stiftungen am besten geeignete Vehikel für nachhaltige Schwellenländeranleihen ist eine Fondsinvestition. So können sie einen hohen Grad an Portfoliodiversifikation erreichen und das Problem hoher Kapitalbindung von Direktbeteiligungen lösen.

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